Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
KRAMML, Peter Franz: Die Administration des Bistums Wien nach dem Tod König Matthias' Korvinus von Ungarn. Eine Korrektur der Wiener Bischofsliste
Das Wiener Bistum nach dem Tod König Matthias’ Corvinus Bischof von Wien nominiert, wohin ihn der neue Papst Sixtus IV. am 23. Dezember 1471 transferierte20), damit das neue, bislang nicht besetzte Bistum aus der langen Vakanz keinen Schaden erlitte. Die diesbezügliche päpstliche Promotionsbulle wurde erst im April 1473 nach Wien gebracht, wenige Tage später - am 23. April 1473 - resignierte Leo, ohne von seinem Bistum Besitz ergriffen und sein Amt kanonisch angetreten zu haben. Er wollte Wien, dessen Gründungsdotation noch immer ausstand, einem Neffen verschaffen, zog aber später die Resignation offenbar wieder zurück. Er nannte sich in der Folge - ungeachtet der erhaltenen hohen Entschädigungssummen - wieder Bischof von Brixen und Pfarrer von Perchtoldsdorf. Durch sein Agieren war die Zukunft der jungen Bistumsgründung ernstlich gefährdet, weshalb der Kaiser die Bestellung eines Koadjutors für Spaur, bei dem sich eine fortgeschrittene geistige Umnachtung bemerkbar machte, betrieb (1477). Der erste ernannte Bischof Wiens, der diese Würde so beharrlich verweigert hatte, verstarb schließlich, ohne weiter in Erscheinung zu treten, zwischen März 1479 und Mai 148021). Am 27. März 1477 wurde auf Intervention Friedrichs III. von Papst Sixtus IV. der Erzbischof von Gran, Johann Beckensloer (Peckenschlager) zum Wiener Koadjutor ernannt22). Johann, eine schillernde Persönlichkeit23 * 25), war aus habsburgischen Diensten 1461 zum Ungarnkönig Matthias Corvinus übergelaufen, hatte es bis zum Primas von Ungarn gebracht, war dann aber Anfang 1476 mit ungeheurem Barvermögen wieder zum Kaiser übergewechselt, der ihm nun die Wiener Koadjutorie verschaffte und plante, ihn zum Erzbischof von Salzburg zu machen. Allerdings protestierten 1477 Bischof Ulrich von Passau und sein Domkapitel in feierlicher Form beim Papst gegen die ohne ihr Wissen erfolgte Errichtung des Bistums Wien und gegen einen Koadjutor, dessen Ernennungsbulle erschlichen sein müsse, zumal Bischof Ulrich auch nach der vermeintlichen Bistumsgründung die bischöflichen Funktionen in Wien ausgeübt und sein Weihbischof und der Passauer Offizial 20) Flieder, Leo von Spaur 47; Eduard Maria Lichnowsky, Geschichte des Hauses Habsburg 7 (Wien 1845) n. 1567. - Winter, Spaur 514, Anm. 5 vermutet, daß der erste Anwärter Friedrichs III. auf den Stuhl von Wien der Wiener Dompropst Albert Graf von Schaunberg (+ 1470) gewesen sei. 21) Flieder, Leo von Spaur 48; Loidl-Krexner, Wiens Bischöfe 11. 22) Acht Orig. Provisionsbullen im HHStA AUR; Reg. bei: Quellen zur Geschichte der Stadt Wien I: Regesten aus in- und ausländischen Archiven 2 (Wien 1896) n. 1907-1914; vgl. auch Flieder, Stephansdom 227f.; ders., Leo von Spaur 50. 25) Zu seiner Person Zaisberger, Bernhard von Rohr 58ff.; Loidl-Krexner, Wiens Bischöfe 12f. (nur nach älterer Literatur) sowie Dopsch, Salzburg im 15. Jahrhundert 545 f. und Joseph Gottschalk, Der Breslauer Johannes Beckensloer (f 1489), Erzbischof von Gran und Salzburg, in: Archiv für Schlesische Kirchengeschichte 27(1969) 98-129. 13