Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
KRAMML, Peter Franz: Die Administration des Bistums Wien nach dem Tod König Matthias' Korvinus von Ungarn. Eine Korrektur der Wiener Bischofsliste
Peter Franz Kramml die Residenzstadt des Habsburgers, Wiener Neustadt, zum Bischofssitz, dessen Diözesanbereich (das Stadtgebiet) aus der Salzburger Diözese ausgeschieden und direkt dem Hl. Stuhl unterstellt wurde14). Die Rechte Passaus und Salzburgs wurden bei diesen Gründungen allerdings übergangen, weshalb der Salzburger Erzbischof Bernhard von Rohr 1477 massiv gegen den ersten in Wiener Neustadt eingesetzten Bischof Peter Engelbrecht (1476-1491) protestierte15). Nachdem es zwischen ihm und dem seine Absetzung betreibenden Kaiser zum endgültigen Bruch gekommen war und sich Salzburg mit den Ungarn verbündet hatte, forderte der Salzburger Metropolit 1480 die Geistlichkeit erneut auf, „Maister Peter, der sich nennt bischove zu der Newnstat“, den Gehorsam zu verweigern16). Im Fall Wiens wurde wegen des Widerstands Passaus17) mit der Bistumspromulgation mehr als zehn Jahre zugewartet, bis man mit päpstlicher Rückendeckung einen habsburgfreundlichen und -abhängigen Bischof in Passau selbst installiert hatte, der seine Zustimmung zur Errichtung des Bistums Wien erteilte. Diese Tatsache sowie persönliche Gründe (eine fortschreitende Geisteskrankheit) erklären die eigenartige Geschichte des ersten ernannten Wiener Bischofs Dr. decretorum Leo von Spaur18). Er entstammte einer alten, von Friedrich III. in den Freiherrenstand erhobenen Tiroler Familie (die im 17. Jahrhundert in den Grafenrang aufstieg) und war kaiserlicher Rat, Domherr in Trient und Pfarrer von Perchtoldsdorf bei Wien, einer sehr einträglichen Pfründe. Als Kandidat des Kaisers wurde Spaur am 9. August 1469 zum Bischof von Brixen (nicht von Wien!)19) providiert und als er dort auf ernsthafte Widerstände stieß, von Friedrich III. am 20. August 1471 zum 14) Loidl, Erzbistum Wien 24; Flieder, Stephansdom 216. 15) Ernst Tomek, Kirchengeschichte Österreichs 2 (Innsbruck-Wien 1949) 34 f.; Dop sch, Friedrich III. 76; ders., Salzburg im IS. Jahrhundert, in: Geschichte Salzburgs 1/1 hrsg. von dems. (Salzburg 1981) 487-593, bes. 543; Flieder, Stephansdom 216; Friederike Zaisberger, Bernhard von Rohr und Johann Beckenschläger, Erzbischof von Gran, zwei Salzburger Kirchenfürsten in der 2. Hälfte des IS. Jahrhunderts (phil. Diss. Wien 1964) 38 f. Zu Engelbrecht vgl. Josef Wodka, Kirche in Österreich (Wien 1959) 173. 16) Tiroler Landesarchiv Innsbruck, Sigmundiana XIV n. 694 (1480 Mai 5). 17) Flieder, Leo von Spaur 49 (zu 1473). 18) Zu seiner Person Flieder, Leo von Spaur 42-56; zur Familie und ihren engen Beziehungen zu Friedrich III. vgl. ausführlich Otto Friedrich Winter, Die Herren von Spaur in Niederösterreich (14S4-1S48), in: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich NF 38(1968-70) (=Festschrift zum 70. Geburtstag von Adalbert Klaar und Herbert Mitscha-Märheini) 313—338. 19) So aber Loidl, Erzbistum Wien 334 und Loidl-Krexner, Wiens Bischöfe 10f.; nach Albert Starzer, Regesten zur Geschichte der Bischöfe von Wien, in: Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich NF 25(1891) 320 n. 7, dessen Angaben bereits Flieder, Leo von Spaur 46, bes. Anm.42 korrigierte! 12