Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)

KRAMML, Peter Franz: Die Administration des Bistums Wien nach dem Tod König Matthias' Korvinus von Ungarn. Eine Korrektur der Wiener Bischofsliste

Das Wiener Bistum nach dem Tod König Matthias’ Corvinus gezeichnet9), seine entscheidende Rolle beim Aufstieg Habsburgs (und damit verbunden des Reiches) und vor allem seine erfolgreiche (wenn auch eigennützige) Kirchenpolitik10) erkannt. Letztere stellte einen Hauptpfeiler seines politischen Gesamtkonzeptes dar und brachte ihm durch ein Zusammenwirken mit dem Papsttum (den Höhepunkt bildete 1448 der Abschluß des bis 1803 gültigen Wiener Konkordates) weitge­hende Rechte ein. Schon 1446 erlangte Friedrich III. vom Papst das Be­setzungsrecht über sechs in seinen Erblanden gelegene Bistümer - ein Recht, das später auf das von ihm 1461 neu gegründete Bistum Laibach und schließlich auf Wien und Wiener Neustadt ausgedehnt wurde11). Diese beiden Bistümer verdankten ihre Existenz einer 1462 anläßlich seiner Belagerung in der Wiener Burg vom Kaiser gelobten Wallfahrt, die ihn nach dem Tod seiner Gattin zu Weihnachten 1468 in die Ewige Stadt führte12). Hier erwirkte er bei Papst Paul II. die Approbation des von ihm gestifteten St. Georgs-Ritterordens und die Wiederaufnahme des Kanonisationsprozesses für Markgraf Leopold III. Am 18. Jänner 1469 stellte der Papst die Errichtungsbulle für ein von der Passauer Jurisdiktion befreites Bistum Wien aus. St. Stephan wurde zur Kathe- dralkirche erhoben, dem Kaiser als Landesherrn das Patronatsrecht zugestanden und das Diözesangebiet (Territorium von Wien, Schloß St. Veit bei Wien mit seinem Herrschaftsbereich und die alte Propstei mit all ihrem Zubehör) geregelt13). Am selben Tag erhob Paul II. auch 9) Alphons Lhotsky, Aufsätze und Vorträge, ausgewählt und hrsg. von Hans Wag­ner und Heinrich Koller, 5 Bde. (Wien 1970-1976), bes. Bd. 2; ders., FriedrichIII., in: NDß 5 (Berlin 1961) 484ff.; Heinrich Koller, Beiträge zum Kaisertum Friedrichs 111., in: Geschichtsschreibung und geistiges Leben im Mittelalter. Festschrift Heinz Löwe, hrsg. von Karl Hauck und Hubert Mordek (Köln 1978) 585-599; ders., Neuere Forschungen; ders., Der Ausbau der königlichen Macht im Reich des II. Jahrhunderts, in: Das spätmittelalterli­che Königtum im europäischen Vergleich, hrsg. von Reinhard Schneider (Vorträge und Forschungen 52, Sigmaringen 1987) 425^464; Roderich Schmidt, Friedrich III. 1440- 1493, in: Helmut Beumann (Hrsg.), Kaisergestalten des Mittelalters, 2. durchges. Aufl. (München 1985) 301-331. - Von den von Heinrich Koller hrsg. Regesten Kaiser Fried­rich III. (1440-1493) nach Archiven und Bibliotheken geordnet (Wien-Köln-Graz 1982ff.) sind bislang sechs (Stand August 1990) Hefte erschienen. 10) Heinz Dopsch, Friedrich III, das Wiener Konkordat und die Salzburger Hoheits­rechte über Gurk, in: MÖStA 34(1981) 45-88; Peter F. Kramml, Bischof Matthias von Seckau (1481-1312), ein streitbarer Salzburger Suffragan am Ausgang des Mittelalters, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 125(1985) 345-394, bes. 373 ff.; ders., Kaiser Friedrich III. und die Reichsstadt Konstanz (1440-1493). Die Bodenseemetro­pole am Ausgang des Mittelalters (Konstanzer Geschichts- und Rechtsquellen 29, Sigmarin­gen 1985) bes. 223 ff. 11) Dopsch, FriedrichIII. 49f. und 75; Joseph Chmel, Monumenta Habsburgica 1/1 (Wien 1854) 316, n. 105. 12) Flieder, Stephansdom 214ff; ders., Leo von Spaur 44f. 13) Loidl, Erzbistum Wien 23; Flieder, Stephansdom 216f. 11

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