Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 40. (1987)

LUNITZ, Martin: Diplomaten im 16. Jahrhundert. Zum Problem der Finanzierung ständiger Gesandtschaften am Beispiel der Botschafter Kaiser Karls V. in Frankreich und England

DIPLOMATEN IM 16. JAHRHUNDERT ZUM PROBLEM DER FINANZIERUNG STÄNDIGER GESANDTSCHAFTEN AM BEISPIEL DER BOTSCHAFTER KAISER KARLS V. IN FRANKREICH UND ENG­LAND*) Von Martin Lunitz AI. Einleitung. - AII. Maximilian I. und das burgundische Erbe - erste Verknüpfungen (S. 2). - AIII. Die Rubrik der „ambassades et gros voiaiges“ in den Rechnungen der Receveurs Généraux des Finances der Niederlande (S. 4). - AIV. Die Botschafter des neugewählten Kaisers: Repräsentanten des traditionellen Gesandtentyps (S. 5). - A V. Der neue Beamtentyp und sein Einsatz in der Diplomatie (S. 8). — A VI. Der Gesandt­schaftsdienst als Posten im kaiserlichen Haushalt für die Niederlande (S. 10). - A VII. Institutionelle Schwierigkeiten und persönliche Naheverhältnisse (S. 14). - A VIII. Zusammenfassung (S. 17). — A IX. Methodischer Exkurs: Der Goldfeingehalt der überre­gionalen Leitwährungen als Grundlage für den Vergleich der Gesandtenbezüge (S. 18). - B. Die ständigen Gesandten Karls V. in Frankreich und England (S. 20). A I Die finanzielle Seite des Gesandtschaftswesens in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, als die neue Form der Diplomatie sich über Italien hinaus in ganz Westeuropa ausbreitete, wurde bisher nur insoweit beachtet, als sie in den Depeschen der Diplomaten selbst und in den diesen Punkt berührenden „Com­missions“ und „Lettres Patentes“ ihren Niederschlag fand1). In der Korrespon­*) Für den weiteren theoretischen Rahmen, in dem die Behandlung dieses Aspekts des kaiserlichen Gesandtschaftswesens zu sehen ist, verweise ich auf Horst Rabe Elemente neuzeitlicher Politik und Staatlichkeit im politischen System Karls V. Bemer­kungen zur spanischen Zentralverwaltung und zur Politischen Korrespondenz des Kai­sers in Das römisch-deutsche Reich im politischen System Karls V., hg. v. Heinrich Lutz (Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien 1, München-Wien 1982) 161-187. — Aussagen zur Finanzierung der ständigen Gesandtschaften Karls V. in Frankreich und England erfordern, wenn sie über den Einzelfall hinausgehen sollen, eine sehr breite Quellengrundlage. Die vom Konstanzer Forschungsprojekt aus den europäischen Archi­ven bisher zusammengetragene und zum Teil bereits wissenschaftlich erschlossene politische Korrespondenz Karls V. bietet eine solche. Dies enthob mich weitgehend der zeitraubenden Aufgabe, die relevanten Quellenstücke in den Archiven selbst einzusehen oder gar erst aufspüren zu müssen. Unter dieser Voraussetzung konnte sich eine Analyse der in den Archives Départementales du Nord zu Lille aufbewahrten Rechnungsbücher der Chambre des Comptes-Recette Générale des Finances-Période de Charles-Quint anschließen, um die praktische Umsetzung der in den Ernennungsschreiben und in der Korrespondenz des Kaisers mit seinen Botschaftern enthaltenen Anweisungen zu ihrer finanziellen Ausstattung zu überprüfen. *) Auf einer breiteren Grundlage stehen lediglich die Arbeiten von G. A. Yssel de

Next

/
Thumbnails
Contents