Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 39. (1986)

AUER, Leopold: Historische Friedensforschung (Literaturbericht)

Rezensionen 453 ihm Friedrich Ritter von Beck als Vorstand der nun Militärkanzlei benannten Dienststelle, Crenneville wurde Oberstkämmerer, welche Funktion er bis 1884 gewissenhaft versah. 1888 starb er in Gmunden. Dem Vf. gelingt es in dieser Biographie, vor dem Hintergrund der militärischen und politischen Geschichte das Leben des Generals anschaulich darzustellen, wobei der Konflikt zwischen Absolutismus und Konstitutionalismus besonders deutlich herausgearbeitet wird. Eine konstitutionelle Armee mit einem Eid des Soldaten auf die Verfassung und nicht auf den Kaiser war Crenneville und mit ihm vielen Offizieren dieser Armee einfach unvorstellbar. Wir müssen K. für diese Biographie dankbar sein, sie ist ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der österreichischen Armee in der franzisko-josephinischen Epoche (sehr zu wünschen wären ähnliche Arbeiten, etwa über Grünne). Anerkennenswert ist die Veröffentlichung dieser Arbeit in der Reihe der Militärgeschichtlichen Dissertationen, wünschenswert wäre lediglich eine sorgfältigere Korrektur des Druckes gewesen. Rainer Egger (Wien) Narciso Nada Guglielmo Moffa di Lisio (1791-1877). II contributo di un patriota Braidese al Risorgimento Nazionale. Societä „Amici del Museo“, Bra 1982. XII, 155 S., 17 Abb. Dieser am 19. Dezember 1791 in Bra geborene Sproß einer angesehenen, alten piemontesischen Adelsfamilie zählt zwar nicht zu den Männern, die die Eini­gung Italiens herbeiführten, stand aber mit vielen von ihnen, wie die von N. aufgefundenen Korrespondenzen beweisen, sowohl in verwandtschaftlichem als auch freundschaftlichem Kontakt. Vor allem jedoch gehörte er zu dem Kreis von Patrioten, die 1821 einen Systemwechsel einleiten zu können glaub­ten und mit ihrer Erhebung die Initialzündung für das Risorgimento auslösten. Die Revolte von 1821 wurde mit Hilfe Österreichs niedergeschlagen. Graf Lisio mußte mit vielen anderen den Weg in die Verbannung antreten, der ihn über Genf nach Paris führte. In der Heimat wurde er am 19. Juli 1821 in Abwesen­heit zum Tod verurteilt. Nach dem Ableben des reaktionären Königs Karl Felix und der Thronbesteigung des liberalen Karl Albrecht wurde dem gesundheit­lich geschwächten Grafen 1832 die Rückkehr in die Heimat gestattet, wo er weiterhin sozusagen unter Polizeiaufsicht lebte. Erst die Amnestie von 1842 anläßlich der Hochzeit des Kronprinzen Viktor Emanuel bescherte ihm die volle Rehabilitierung. Das Sturmjahr 1848 erfüllte den Wunschtraum des Revolutionärs von 1821: Karl Albert gab dem Land eine Verfassung und brachte durch die Kriegserklärung an Österreich das Einigungswerk in Gang. Moffa di Lisio wurde als Abgeordneter in das Parlament gewählt, dem er bis zum Jahr 1861 angehörte. Daneben bekleidete er 1848/49 kurzfristig einen Ministerposten. Im Parlament unterstützte er die Politik Massimo d’Azeglios und die großen Reformen Cavours. Nach der Einigung Italiens zog er sich mehr und mehr aus dem öffentlichen Leben zurück und übernahm im jungen König­reich kein Amt: Bis zu seinem Tod 1877 blieb er lediglich stiller Beobachter. N. gestaltete diese Biographie, die sicher nicht den Anspruch erhebt, eine historisch herausragende Persönlichkeit zu schildern, mit viel Einfühlungsver­mögen und profunder Sachkenntnis und verarbeitete das von ihm neu aufge­fundene Material zu einer sachlich gehaltenen Darstellung. Die ansprechende

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