Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 39. (1986)

AUER, Leopold: Historische Friedensforschung (Literaturbericht)

452 Literaturberichte Hauptmann gefunden, 1840 bis 1848 war er Dienstkämmerer und kurze Zeit Flügeladjutant Kaiser Ferdinands, 1848 übernahm er ein Regimentskommando in der Lombardei, dann wirkte er als Generalmajor und Brigadier in Livorno. 1855 ging Crenneville als Militärbevollmächtigter nach Paris, von wo aus er während des Krimkrieges den Generaladjutanten Grünne informieren und wo er in dessen Sinne und oft im Gegensatz zur österreichischen Außenpolitik intervenieren sollte. Noch im selben Jahr folgte wieder eine Truppenverwen­dung als Brigadier in Parma, dann in Venedig und 1857 als Divisionär in Klausenburg und Agram. Den Feldzug von 1859 machte Crenneville als Divi­sionär mit, bei Solferino wurde er verwundet. Die Niederlage dieses Jahres brachte das System des Neoabsolutismus und damit den allmächtigen Generaladjutanten Grünne zu Fall, die Reorganisation der Armee, deren schwere Mängel in diesem Feldzug nur allzu deutlich gewor­den waren, wurde unumgänglich. Im August 1859 wurde Crenneville, der damit den Truppendienst endgültig verließ, nach Wien auf den ihm sicherlich mehr als seine bisherigen Verwen­dungen zusagenden Posten des Chefs des Präsidialbüros des Armee-Oberkom­mandos berufen, im Oktober folgte er, einem Wunsche Franz Josephs und Erzherzog Wilhelms entsprechend, Grünne als Generaladjutant des Kaisers nach. Die Beschränkung der Macht des Generaladjutanten und die Wiederher­stellung des Kriegsministeriums entsprachen durchaus Crennevilles Vorstel­lungen, für die Einbindung dieses Ministeriums in die nun entstehende konsti­tutionelle Monarchie konnte der neue Generaladjutant kein Verständnis auf­bringen. Wenigstens in der Armee sollte der autoritär-absolutistische Kurs aufrecht erhalten bleiben. Crenneville fand sich bei diesen Gedanken mit Erzherzog Albrecht, dem Onkel (nicht Cousin, wie S. 125) des Kaisers und mit Feldzeugmeister Benedek in Einklang. Der Vf. widmet ein eigenes, sehr inter­essantes Kapitel dieser „A-B-C-Achse“ (Albrecht-Benedek-Crenneville), in dem er sehr deutlich die Haltung dieser konservativen Gruppe gegen den verfassungsmäßigen Kriegsminister und den Widerstand Crennevilles im be­sonderen gegen jeden Konstitutionalismus herausarbeitet. Unter Verwertung der Erkenntnisse von Walter Wagner (Geschichte des k. k. Kriegsministeriums 1 [1966]) wird dieses Ringen um eine Reform der Armee in den Jahren vor 1866 treffend dargestellt, indem sich die konservativen und antikonstitutionellen Kreise um die „A-B-C-Achse“ zum Unglück der Armee und des Kaiserstaates noch einmal durchsetzen konnten. Der Feldzug von 1866 brachte die Katastro­phe und zugleich das Ende dieser Politik. Crenneville selbst dürfte in den kritischen Tagen von Königgrätz maßgeblich an der Entscheidung Benedeks, die Schlacht zu wagen, beteiligt gewesen sein. Von seiner Hand stammt das Telegramm des Kaisers vom 1. Juli, und auf ihn dürfte die verhängnisvolle Frage „Hat eine Schlacht stattgefunden?“ zurückgehen. K. verwertet dieses schon im Zuge der Vorbereitung der Gedächtnisausstellung 1966 in den Akten der Militärkanzlei des Kaisers wieder aufgefundene Telegrammkonzept erst­malig für eine Darstellung und bietet damit einen sehr wesentlichen Beitrag zur Geschichte des unglücklichen Feldzuges der österreichischen Nordarmee. Die großen Veränderungen in der Armee und in der Verfassung des Reiches bedingten auch eine Änderung in der Stellung Crennevilles. Für die nun durchzuführenden Reformen, für das neue Wehrgesetz und für den Ausgleich mit Ungarn war er nicht der richtige Berater des Kaisers. Im Juli 1867 folgte

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