Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 39. (1986)

AUER, Leopold: Historische Friedensforschung (Literaturbericht)

Rezensionen 451 Eine der wenigen historischen Thesen in einer ansonsten an zaghaften und übervorsichtigen Gedanken reichen Untersuchung ist die nur mit Vorbehalt akzeptable Annahme, „daß die Wohnungsausgaben bis zur Jahrhundertwende stärkeres Gewicht hatten, ihr Gewicht im Laufe eines halben Jahrhunderts gegenüber den Lebensmittelkosten auf alle Fälle stieg“ (S. 29), ab dem Ende der 90er Jahre aber bis zum Kriegsbeginn auf Grund der starken Lohnsteige­rung das Gewicht etwas abgenommen hätte. Neben Mieten, Einkommen und Lebenshaltungskosten (S. 10-42), Kündigung und Mobilität (S. 43-75), sozialer Schichtung und Wohnung (S. 76-121) gerin­nen auch Untersuchungsbereiche wie Wohndichte (S. 122—150), Wohnungs­qualität (S. 151-164), Wohnungselend (S. 165-179) und Wohnerfahrung (S. 180-215) zu reinen wissenschaftlichen Begriffen. Mit der Fülle von Statisti­ken in unzähligen Tabellen vermag der Vf. auch den letzten narrativen Ansatz zu erdrücken. Zu leb- und farblos bleiben die wissenschaftlichen Auswertun­gen, zu schablonenhaft die Schlußfolgerungen, die aus den gut gemeinten Befragungen von Zeitzeugen gezogen werden. Denn den Vf. bekümmert kaum das soziale Umfeld von „Wohnen“, der Studie fehlt jegliche gesellschaftspoliti­sche Relevanz. Was bleibt, ist eine Abhandlung, deren wertvollste historische Aussage in einer Vorbemerkung lediglich angedeutet wird: „Wohnungsnot ist ja eigentlich das Resultat des Mißverhältnisses zwischen den Bedürfnissen der Bevölkerung und dem Angebot an Wohnungen und Wohnraum für bestimmte Bevölkerungsschichten“ (S. 122). Manfred Fink (Wien) Klaus Koch Generaladjutant Graf Crenneville. Politik und Militär zwischen Krimkrieg und Königgrätz (Militärgeschichtliche Dissertationen österreichischer Universitäten, hg. von Manfried Rauchensteiner, 3). Österreichischer Bundesverlag, Wien 1984. 252 S., 1 Abb. Einen „arroganten und beschränkten Höfling“ hat Adam Wandruszka (Schick­salsjahr 1866, 160) Franz Graf Folliot de Crenneville genannt, der als General­adjutant des Kaisers und Nachfolger von Karl Graf Grünne von 1859 bis 1867 einer der wichtigsten militärischen Berater Kaiser Franz Josephs war. Dieses harte Urteil wird in der vorliegenden Biographie zwar entkräftet, freilich fehlte Crenneville aber jenes Format als Berater des Monarchen, das einer so schwierigen Situation wie jener nach der Niederlage von 1859 und nach der Periode des Neoabsolutismus entsprochen hätte. Die als Dissertation an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien unter dem Titel Generaladjutant Franz Graf Folliot de Crenneville. Militär und Politik zwischen Absolutismus und Konstitutionalismus (1854-1867) approbierte Biographie dieses einer französischen Emigrantenfa­milie entstammenden Generals verarbeitet erstmalig die zur Verfügung stehen­den einschlägigen Quellen vollständig. Besonders hervorzuheben ist hiebei die Auswertung der im Nachlaß Crenneville (im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien) verwahrten Tagebücher und Korrespondenzen des Generaladjutanten, die in Verbindung mit den amtlichen Akten der militärischen und zivilen Behörden viele Aufschlüsse über den Anteil von Crenneville an den Entschei­dungen geben. Den Zugang zum Dienst bei Hof hatte der 1815 geborene Crenneville schon als 29*

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