Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 39. (1986)

AUER, Leopold: Historische Friedensforschung (Literaturbericht)

Rezensionen 431 characteristics“ führt er nämlich an: „a boastful German nationalism, ridicule of the thesis that Austrians were a separate nationality, the glorification of German heroism and of World War II, and of military camaraderie in general“ (S. XVIII). Den beiden zuletzt angeführten Indikatoren zufolge wären — um nur zwei von vielen zu nennen - die Rote Armee ebenso wie die Königlich Briti­schen Streitkräfte neonazistische Organisationen — und das möchte der Rezen­sent doch - im Namen beider! - bestreiten. Erwin A. Schmidl (Wien) ALLGEMEINE GESCHICHTE UND SPEZIALDISZIPLINEN Ingetraut Ludolphy Friedrich der Weise. Kurfürst von Sachsen 1463-1525. Vanden- hoeck & Ruprecht, Göttingen 1984. 591 S., 18 Abb. auf Taf., 2 Falttaf. Eine Biographie Friedrich des Weisen von Sachsen stellte seit vielen Jahren ein Desiderat dar, dessen sich die Autorin dankenswerterweise angenommen hat. Durch seine Stellung als Reichs- und Landesfürst, aber auch als Schutzherr Luthers und der beginnenden Reformation konnte Friedrich wesentlichen Einfluß auf die Menschen und die Ereignisse seiner Zeit nehmen. Ihm kommt deshalb in der Geschichte der beginnenden Neuzeit ein hoher Stellenwert zu. Ingetraut Ludolphy beschreitet mit der von ihr gebotenen Form der Biographie einen - ihrer Meinung nach - „ungewöhnlichen Weg“ (S. 5), der aber den Erwartungen, die an eine moderne Biographie gestellt werden, weitgehend entgegenkommt. Sie führt den Leser über die reine „Lebensgeschichte“ hinaus: Ausgehend von bildlichen Darstellungen und schriftlichen Zeugnissen (Teil A, S. 13—63), von Umwelt und Alltag (Teil B und C, S. 65-136) versucht sie an die Persönlichkeit Friedrichs heranzutreten und diese zu erfassen. Seine politi­schen Leistungen und Aktivitäten trennt sie streng nach Reich (Teil D, S. 137-238) und Land (Teil E, S. 239-336); Friedrich als Kirchenpolitiker und Laienchrist vor und nach dem Auftreten Luthers bildet den Abschluß (Teil F, S. 337-486) der Untersuchungen. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis (S. 507-565), das aber nicht alle im Anmerkungsapparat des Buches zitierten Werke enthält, einige informative Abbildungen und Karten sowie ein chrono­logisches Register (S. 568-578), das mit der Aufstellung des Friedrich-Denk­mals in Annaberg 1880 (!) endet, sollten dem interessierten Leser weitere Möglichkeiten zum selbständigen Studium über Leben und Person des Kurfür­sten bieten. Die Idee, eine Biographie in den oben geschilderten Formen zu gliedern, ist begrüßenswert, birgt aber auch Gefahren in sich, deren sich die Autorin nicht ganz bewußt gewesen zu sein scheint. Die Einflußnahme einer bestimmten Person auf und ihre Bedeutung für einzelne Bereiche der Politik und das Leben kann zwar dadurch weit besser dargestellt werden, man darf jedoch das Gesamtbild der zu beschreibenden Person nicht aus den Augen verlieren. L. arbeitet in Teil D („Der Reichsfürst“) deutlich den Zugriff Kurfürst Fried­richs auf die Reichspolitik unter der Regierung Maximilians I. und seine Kooperation mit dem Reichsoberhaupt heraus. Die hier angesprochene politi­sche Mentalität Friedrichs stand aber im Gegensatz zu der anderer Reichsfür­sten, die ihre eigenen Interessen und Vorteile denen des Reiches voranstellten.

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