Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 39. (1986)

AUER, Leopold: Historische Friedensforschung (Literaturbericht)

430 Literaturberichte ten wollte hat aber mit dem gegebenen Thema herzlich wenig zu tun. Aber selbst wenn man sich damit abfindet - warum wurde ausgerechnet (als n. 32) die Arbeit von Gunther E. Rothenburg (sic!, recte: Rothenberg, The Army of Francis Joseph) ausgewählt? Im Kapitel über die Zeit nach 1945 wiederum sind etliche Titel enthalten, die bestenfalls parteipolitische Propaganda ohne Tief­gang sind. Dafür fehlen beispielsweise die Standardwerke von Manfried Rau­chensteiner über 1945 und die Besatzungszeit (Krieg in Österreich, Der Son­derfall). Sicherlich muß man berücksichtigen, daß für die Auswahl der Bücher nicht zuletzt ihr Vorhandensein in US-amerikanischen Bibliotheken maßgebend war (S. VIII). Dabei wurden aber lobenswerterweise keineswegs nur, ja nicht ein­mal überwiegend, angloamerikanische Werke aufgenommen, sondern viele deutsch- und einige anderssprachige. Gerade die zahlreich vertretenen NS- Propagandaschriften sind (zwangsläufig) überwiegend in deutscher Sprache geschrieben. Eine gute Sache ist jeweils die kurze Inhaltsangabe bzw. Charakteristik der genannten Titel. Sie ist nur leider in etlichen Fällen ungenau, ja schlichtweg falsch bzw. gibt primär die Aussage L’s zu dem jeweiligen Thema wieder. Als Beispiel sei Titel n. 113, S. 48, genannt, eine noch 1938 erschienene NS- Publikation über den deutschen Einmarsch in Österreich. L’s Kommentar dazu beschäftigt sich mit der Opposition innerhalb der Wehrmacht gegen das „Un­ternehmen Otto“ und mit dem „Hoßbach-Protokoll“. In einem anderen Fall bezweifle ich stark, ob Wolfgang Rosar mit der Qualifikation seines Buches über Seyss-Inquart (Deutsche Gemeinschaft. Seyss-Inquart und der Anschluß [Wien - Frankfurt — Zürich 1971]) als „Rechtfertigung“ des genannten Politi­kers einverstanden wäre: „He rationalizes and justifies Seyss-Inquart’s con­duct ... and his zig-zag political and ideological course“ (n. 297). Zwischen dem Versuch des Historikers, das Verhalten eines Menschen (auch, wie es Rosar tat, unter Zuhilfenahme psychoanalytischen Vokabulars) verständlich zu machen, und der Rechtfertigung desselben liegt doch wohl ein gewaltiger Unterschied! Gelegentlich unterlaufen dem Autor auch kleinere Irrtümer, so etwa bei Titel n. 141, wo aus Friedrich Fritz (Der deutsche Einmarsch in Österreich 1938 [Militärhistorische Schriftenreihe 8, Wien 1968]) ein Herr Fritz Friedrich wird. Problematisch erscheinen auch einige Passagen der Einleitung. Das gilt zum Teil für L’s Sicht der Zeit vor 1938, vor allem aber für die Nachkriegszeit. Und wenn man auch manchen Aussagen durchaus beipflichten kann - wie etwa jener auf Seite XIX: „The Anschluss itself has definitely disappeared from the German and Austrian political agenda“ — so ist L’s Argumentation dazu zumindest dem Rezensenten zu hoch: „Two books containing Bruno Kreisky’s articles and speeches list the following topics on Austrian foreign policy since 1945: Austrian neutrality, East-West relations, Cold War and détente, Austria and European integration, Austro-German relations, the United Nations, problems of the Mediterranean area und Africa, and those of Asia and Latin America. All these issues, in Kreisky’s view, merited some discussion, but not the Anschluss! “ Bei allem Respekt vor dem Herrn Altbundeskanzler, aber ihn für die obige Aussage in dieser Form als einzigen Beleg heranzuziehen... Nicht ganz folgen kann man L. auch, wenn es um die von ihm angeführten Merkmale des Wiederauflebens der nationalsozialistischen Ideologie nach 1945 geht. Als „its

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