Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 39. (1986)

SCHÖNFELLNER, Franz: Der Bund als Gesellschafter der WÖK in der Ersten Republik

Der Bund als Gesellschafter der WÖK 169 die Zahl der Aktionsportionen in diesem Monat auf über 73.000 stieg, fast das Doppelte des Vorjahres. Auch im folgenden Winter gab es ähnliche Ausspei­sungsaktionen92). Prof. Durig wurde beauftragt, Nährwertanalysen zu erstel­len. Er erhob dabei, daß sich die Wiener Gastwirte sehr anstrengten, um mit der WÖK konkurrieren zu können, und zum Teil größere Portionen als die WÖK boten93). In der Bilanz für 1935 konnte die Unternehmensleitung zufrie­den feststellen, daß die Sanierung der Firma trotz rückläufiger Einnahmen bisher gelungen sei, im Dezember sei sogar eine leichte Steigerung der abgege­benen Portionen im Freiverkauf verzeichnet worden94). Auch in den folgenden Jahren verlief die Entwicklung günstig, das Unternehmen konnte sich wieder festigen. VIII 1937 wurden Ministerialrat Dr. Petschann und der verstorbene Sektionschef Dr. Degischer durch Ministerialrat Dr. Karl Schönberger und Sektionsrat Dr. Emil Makowsky als Aufsichtsratsmitglieder abgelöst. Diese beiden wurden in das Hauptevidenzblatt der Gesellschaftsevidenz des Finanzministeriums als „gemeinsame Vertreter“ von Bund und Gemeinde eingetragen. Da die entspre­chenden Akten fehlen, ist eine Klärung der Zusammenhänge nicht möglich, doch unterstreicht alleine die Bezeichnung die Einigkeit von beiden Gesell­schaftern in der Führung der WÖK. Eine wesentliche Änderung in der Zusammensetzung des Aufsichtsrates er­folgte nach dem Anschluß 1938; in der Generalversammlung vom 23. Mai 1938 wurden zwei Miglieder der Gemeinde Wien ausgewechselt95), auch Hofrat Dr. Arnold Baumgarten, der zum Nachfolger Prof. Durigs bestellt worden war, wurde abberufen. Die neuen Aufsichtsratsmitglieder der Gemeinde waren Vizebürgermeister Thomas Kozich und Obersenatsrat Dr. Hans Samperl. Her­mann Deri legte ebenfalls die Geschäftsführung zurück96), Dr. Mebus wurde als alleiniger Geschäftsführer belassen und der Gesellschaftsvertrag entsprechend geändert. Vizebürgermeister Kozich wurde zum Präsidenten bestellt, Ministe­rialrat Dr. Schönberger zum Vizepräsidenten. Im März 1939 kam als weiterer 92) FA Dept. 23 ZI. 18.809-23/1935. Von 5,676.411 Portionen entfielen 1935 563.230 auf Aktionen; 2,419.929 auf Schul- und 1,073.940 auf Kleinkinderausspeisung. Am besten verkaufte sich das Menü 3 mit 396.772 Portionen. Die Bäckerei meldete mit 5,883.640 Buffetportionen steigenden Absatz. 9S) FA Dept. 23 ZI. 26.844-23/1935, 33.152-23/1935. Auch war laut Prof. Durig das Service in den Gaststätten zum Teil besser. 94) An Aktionen wurden genannt: Winterhilfe, Josefstisch, Armenausspeisung der Gemeinde, Jugend in Not, Rathauswache, WÖK-Kinder, Pfadfinder - alle hatten stei­gende Zahlen, nur Wehrverbände und Schülerherbergen waren rückläufig. Mit der Küche in Baumgarten waren insgesamt 21 in Betrieb. 95) Dies waren: Obersenatsrat Dr. Karl Hofer und Rat Alexander Knellinger. 96) WIGAST Generalversammlungen 1938 Mai 23. Statt Deri soll Prokurist Moriz Spielmann bestellt worden sein, doch in das Hauptevidenzblatt der Gesellschaftsevidenz wurde er nicht eingetragen. Dazu FA Dept. 17 ZI. 3.816-17/1939.

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