Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 39. (1986)
SCHÖNFELLNER, Franz: Der Bund als Gesellschafter der WÖK in der Ersten Republik
168 Franz Schönfellner WÖK, daß dies eine interne Angelegenheit des Unternehmens sei und verfügte nichts weiter dazu87). In den Auseinandersetzungen mit den Gastwirten stießen die WÖK-Vertreter weiter auf schroffe Forderungen, doch waren sie sich offensichtlich einig, daß die WÖK für den verarmten Mittelstand, die mittleren Beamten und Angestellten weitergeführt werden müsse, und nicht als „Volksküche für proletarische Schichten“88). Die tägliche Frequenz war Anfang 1934 auf durchschnittlich 6.000 Gäste gesunken, der Umsatz damit weiterhin rückläufig. Die Hühnerfarm wurde im Sommer aufgelassen und damit wieder ein Teil des Wirtschaftshofes stillgelegt. Der Aufsichtsrat trat vierteljährlich zusammen, ständig wurden Revisionen durchgeführt und Berichte abgefordert. Die Verpflegung von Formationen des Wehr-Sturmes und des Wiener Heimatschutzes konnte die Frequenz nur für wenige Tage nach dem 25. Juli heben89). Da aber der Personalstand weiter verringert wurde, dazu Sonderaktionen der Gemeinde wie „Winterhilfe“, „Jugend in Arbeit“ und „Josefstisch“ sowie Rationalisierungsmaßnahmen die Ausfälle zum Teil wettmachten, konnte zu Weihnachten 1934 die Forderung des Personals nach einer Weihnachtsrenumeration erfüllt werden. In der Bilanz wurde mit Stolz vermerkt, daß die „Mitelia“ den Ausgleich angemeldet hatte, während sich die Gebarung der WÖK besserte90). Noch wichtiger aber war, daß die Verhandlungen mit den Gastwirten eingestellt werden konnten, da sich diese laut Bilanzbericht 1934 mit der Fortführung des Unternehmens einverstanden erklärten. Das politische Umfeld hatte sich entschieden verändert; von seiten des Departements 23 wurde im Dezember 1934 zu erkennen gegeben, daß eine weitere Beteiligung des Bundes überflüssig sei und daher die WÖK eventuell um S 300.000,- an die Gemeinde abgegeben werden solle, allerdings meinten nun die Gemeindevertreter, daß ein Verbleiben des Bundes unbedingt nötig sei91). Ab Jänner 1935 lief eine weitere Aktion der Gemeinde, „Jugend in Not“, womit 87) 1934 Mai 24 betrug der Personalstand 550 Personen, zu Jahresende 521. Genauere Unterlagen fehlen, doch werden wohl einige Neuaufnahmen die Zahlen erhöht haben. Statt der entlassenen Mitarbeiter sollten arbeitslose abgerüstete Schutzkorpsangehörige bevorzugt aufgenommen werden (FA Dept. 23 ZI. 29.756-23/1934). 88) FA Dept. 23 ZI. 33.129-23/1934. Als Beispiele für „Volksküchen“ wurden genannt: Erster Wiener Volksküchenverein und Erste Wiener Suppen- und Teeanstalt. 89) FA Dept. 23 ZI. 66.615-23/1934. In den folgenden Jahren wurden wiederholt Wehrformationen von der WÖK verköstigt, 1936 versuchte die WÖK vergeblich, Forderungen bei der Liquidierungsstelle des Österreichischen Heimatschutzes, die auf Schulden von 1935 beruhten, einzutreiben (ZI. 46.049-23/1936, 55.410-23/1936, 84.620-23/ 1936, 87.051-23/1936). 90) Laut Compass, Finanzielles Jahrbuch 1926 Bd. 1 hatte die „Mitella“ mit einem Aktienkapital von S 200.000,- 1923 den Lebensmittellagerbetrieb für Staatsbedienstete übernommen und besaß in Wien mehrere Speisehäuser und pachtete mehrere Hotelbetriebe. 1935 meldete die „Alpenländische Hotelgesellschaft Mitella A. G.“ den Ausgleich an, am 13. Juni 1936 wurde der Konkurs eröffnet. 12 Speisehäuser waren mittlerweile von ehemaligen Angestellten zur Weiterführung übernommen worden (Compass 1931, 1935, 1937, Schlagwort „Mitella“). 91) FA Dept. 23 ZI. 20.986-23/1935.