Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 39. (1986)
SCHÖNFELLNER, Franz: Der Bund als Gesellschafter der WÖK in der Ersten Republik
164 Franz Schönfellner Vertreter auf alle Bezüge von der WÖK an, und das Departement 23 stellte fest, daß Probleme, wie mit Dr. Hlavac, bei der Vergabe von Funktionen an pensionierte Beamte in der Nachkriegszeit immer wieder aufgetaucht und daher bekannt seien: Pensionisten, die rein ehrenamtlich arbeiten würden, seien kaum zu finden. In der Generalversammlung vom 30. Dezember 1932 wurde einstimmig beschlossen, daß alle Mitglieder des Aufsichtsrates und die Geschäftsführer weder fixe Gebühren noch Sitzungsgelder beziehen sollten63). Dr. Hlavac erklärte daraufhin den Rücktritt von seinen Funktionen64). Anfang des Jahres 1933 brachte nun Sektionschef a. D. Dr. Degischer ein Gesuch um Entschädigung für die entfallenen Bezüge bei der WÖK im Finanzministerium ein65). Da er vor kurzem seinen Sohn als Kassier in der Firma untergebracht hatte, stellte sich die Frage, ob er überhaupt im Aufsichtsrat bleiben könne. Dr. Motzko nahm gegen ihn Stellung, doch schied der Sohn Ende März aus der WÖK aus, womit dieser Grund für eine Enthebung wegfiel. Dr. Degischer verblieb auf seinem Posten, allerdings ohne Entgelt durch den Bund. Ungeklärt bleibt die Rolle, die Dr. Motzko spielte; vielleicht wollte sie, als sie für eine Einstellung der Bezüge plädierte, Dr. Hlavac und Dr. Degischer herausfordem. Die Zusammenarbeit der Vertreter des Bundes in den Organen der WÖK dürfte jedenfalls in dieser Phase nicht einwandfrei funktioniert haben. Dr. Hlavac wurde durch Ministerialrat Dr. Petschann, den Leiter des Departements 23 im Finanzministerium und somit einen aktiven Beamten ersetzt66). Kurz danach meldete sich der langjährige Geschäftsführer Karl Hammerschlag krank. Bald nach seiner Krankmeldung stellte das Kontrollamt der Stadt Wien fest, daß er an der Buchführung manipuliert und Gelder von der Firma entnommen habe67). Hammerschlag, so stellte sich bei weiteren Untersuchungen heraus, hatte bei der GÖC eigenmächtig Schulden in der Höhe von S 50.000,- gemacht und akzeptiert, daß die Firma „Obst- und Gemüse AG“ zu überhöhten Preisen lieferte. Dr. MebUs, der mittlerweile zu seinem Nachfolger als Geschäftsführer bestellt worden war, sprach sich dafür aus, die Wirtschaftspolizei einzuschalten, was die Gemeinde Wien ohnehin schon in die Wege geleitet hatte. Allerdings wurden die strafgerichtlichen Untersuchungen gegen Hammerschlag noch 1934 eingestellt, da er überraschend verstarb, ohne ein Vermögen zu hinterlassen68). 63) Angeblich hatte Dr. Motzko dies angeregt, da in den Zeitungen gestanden sei, sie würde S 700,-monatlich von der WÖK bekommen. FA Dept. 23 ZI. 82.810-23/1932. 64) Anmerkung zu FA Dept. 23 ZI. 80.069-23/1932. 65) FA Dept. 23 ZI. 7.930-23/1933. 66) FA Dept. 23 ZI. 10.340—23/1933, 1933 März 4. Dr. Petschann mußte erklären, ohne Bezüge tätig zu sein. Prof. Fränkel ersuchte ihn nachdrücklich um gute Zusammenarbeit zwischen Bund und Gemeinde, denn die Firma stecke nun in großen Schwierigkeiten: ZI. 22.084-23/1933. 67) FA Dept. 23 ZI. 46.817-23/1932, 3.011-23/1934. Auch ein Buchhalter war beteiligt. Dieser wurde 1934 entlassen, ein Verfahren gegen ihn wegen Beweismangels eingestellt. 68) FA Dept. 23 ZI. 9.515-23/1934, 15.696-23/1934, 66.677-23/1934. Er soll insgesamt S 47.000,- unterschlagen haben. Zur GÖC siehe Anm. 54.