Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 39. (1986)

SCHÖNFELLNER, Franz: Der Bund als Gesellschafter der WÖK in der Ersten Republik

Der Bund als Gesellschafter der WÖK 165 Nach dem erzwungenen Ausscheiden von Hammerschlag wollte die Gemeinde Wien ihren Geschäftsführer Regierungsrat Hermann Deri zum Generaldirektor der WÖK bestellen, dem Finanzminister schien dieser aus „verschiedenen Gründen“ nicht geeignet69 70). Oberrechnungsrat Vaget, der Geschäftsführer des Bundes, hatte sich bald nach Hammerschlags Ausscheiden ebenfalls krank gemeldet, und auch er bereitete seiner Abteilung Probleme: Dr. Hlavac hatte Anzeige bei der Disziplinärkommission des Ministeriums gegen ihn erstattet™). Ihm wurde nun vorgeworfen, zu Unrecht Bezüge von der WÖK erhalten zu haben. Die Untersuchung ergab, daß er ein Spesenpauschale bezogen hatte, das etwa seinen Sonderspesen entsprochen hatte, die er bei Inspektionsreisen und einem vorzeitigen Urlaubsabbruch gemacht hatte. Folglich beschloß die Diszi- plinarkommission, das Verfahren gegen ihn einzustellen. Vaget verließ aller­dings das Departement 23 und schied auch aus der WÖK aus. Von zwei Bewerbern als Nachfolger entschied das Ministerium für den Chemiker Dr. Arthur Mebus, der einige Jahre in leitenden Positionen bei Privatfirmen gear­beitet hatte71). Dr. Mebus und Regierungsrat Deri waren somit ab 1933 zu zweit als Geschäftsführer tätig. Die Krisen in der Führung überschatteten die wirtschaftlichen Schwierigkei­ten, die sich keineswegs vermindert hatten. Dr. Motzko setzte sich für eine Prüfung der Rentabilität aller Küchen ein, in der Absicht, die schlechtfrequen­tierten eventuell sperren zu lassen72). Der Personalstand wurde weiter verrin­gert, mit 1. März 1933 wurden neue Dienst- und Kollektivverträge unterzeich­net, in denen einige Sonderzahlungen gestrichen waren. Die Gärtnerei wurde aufgelöst und damit der Betrieb im Wirtschaftshof Baumgarten weiter einge­schränkt, gleichzeitig fiel dadurch der Tischschmuck in den Eßlokalen weg, an dem die Gastwirte Anstoß genommen hatten. Alle Lebensmitteleinkäufe wur­den nunmehr nur durch die Zentrale getätigt, - eine Reaktion auch auf die Affäre Hammerschlag. Eine Reihe weiterer Sanierungsmaßnahmen half, den Verlust 1933 auf zirka S 90.000,- zu begrenzen73). Da dabei inbegriffen auch Abfertigungen für entlassene Angestellte in der Höhe von etwa S 60.000,- waren, sprach das Wiener Kontrollamt von namhaften Verbesserungen, doch war die Firma per 30. Juni 1934 noch immer mit rund S 304.000,- ver­schuldet74). 69) FA Dept. 23 ZI. 35.151-23/1933. Hammerschlag bezichtigte in einem Schreiben an Dr. Petschann vom Dept. 23 Dr. Deri, er wolle ihn als Generaldirektor verdrängen, wozu allerdings Dr. Petschann nicht Stellung nahm. 70) FA Zentralbesoldungsakten ZI. 9.051/1933. 71) Zweiter Bewerber war Rechnungsrat a. D. Emil Mayer. Dr. Mebus war u. a. bei der Dynamit Nobel A.G. und der Österreichischen Chemischen Industrie A.G. tätig gewesen. Bei der WÖK erhielt er S 1.500,- im Monat. FA Dept. 23 ZI. 34.544-23/1933. 72) FA Dept. 23 ZI. 7.930-23/1933. Das Dept. 23 regte an, daß eine entsprechende Untersuchung durch die WÖK selbst durchgeführt werde. 73) FA Dept. 23 ZI. 67.662-23/1934. In diesem Zusammenhang wurden die Einnahmen aus der Kinderausspeisung mit S 2,342.201,— angegeben, bei einem Gesamtumsatz von S 3,779.724,-. 74) Beilage zu FA Dept. 23 ZI. 66.677-23/1934.

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