Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)

PETRITSCH, Ernst Dieter: Der habsburgisch-osmanische Friedensvertrag des Jahres 1547

74 Emst Dieter Petritsch Die Provinz Ungam ist ein mit der gewal­tigen Gnade der erhabenen Majestät Got­tes - gelobt sei Er! - von meinem siegrei­chen Schwert erobertes Land. In dieser Provinz wurden diejenigen Burgen und Kastelle, die de facto in der Nutzung meiner Truppen und Bege stehen, mit Waffen und Besatzung versehen und be­setzt, und so möge es sein. Daher sollen auch die zu den Burgen und Kastellen ge­hörigen Dörfer, Orte, Gärten, Äcker, mit­samt den Untertanen und allen Umgren­zungen, so wie es bisher war, in der Nut­zung der Muslime stehen. Meinen wohlbe­hüteten Ländern, den befestigten und of­fenen Orten und sämtlichen Untertanen, aber auch dem muslimischen Land und Volk des Magrib sollen weder vom Lande noch vom Meere aus Schaden und Leid zugefügt werden, und sie sollen auf keine Weise belästigt und angegriffen werden. Wer immer ihnen Schaden und Verlust zu­fügen sollte, möge seine gebührenden Strafen erhalten, und jede Art von Scha­den und Verlust soll wiedergutgemacht werden. Für jene Burgen und Kastelle in der Pro­vinz Ungarn, die mitsamt ihren Unterta­nen nicht unter die Nutzung durch die Muslime gekommen sind, sollen als Ge­genleistung jedes Jahr dreißigtausend Goldstücke an meine großherrliche Schatzkammer abgeliefert werden. Mein kaiserliches Bündnis soll zwischen uns für fünf Jahre festgesetzt sein; während dieser Zeit soll weder von seiner Seite noch von seiten seines Bruders König Karl gegen unseren edlen Vertrag zuwidergehandelt werden. Also das des ungerish landt, welches mein unmassig Khay. May. von genaden des al- mechtign gotts mit krafft und sharffen shwerdt gewungen hab, im penanten [land] slosser, stet, marckh und dorffer und alles anders mit ieren grenizen, was iez in unsem senzagbegn, haupleuten und kriegsleithen henden und regierung ist, al­les was ien zuekherdt, das si desselbig alls wie iez pehalten und regieren. Und was iez auff disi stund unser turkhish volckh pe- sezt und innenhat, es sey auff landt aber auff mer und wasser, wo es ist, alles was iez meiner Khay. May. reich und untherde- nigen zuekherdt und in henden ist, es sei stedt aber slosser, dorffer, land und land- leith, ob in Magrib, des man Affrica nent, aber was Czesair zuekherdt, des man All- czier haist und alle andern land und na­tion, was die turkhishen leithen und volck­her') inne halten, und in allen landen und grenizen, welches meiner May. aber meinen untherdenign zuekherdt, ob auff land und wasser, alles das, wass die Turck- hen innen halden und regieren, das in diser obbestympter zeit der funff jaren gar in khain wegnus von den christishen volck- hem und nationen in disen penenten tur­khishen regierung ain shad aber') [einfall] thain noch pebeisen. Aber wer solichs mandato und privilegio uberdretten wirdt, der soldt nach seiner handlung gestrafft bem, und bas von solchem shaden pefun- den ist, des soldt widerumb pezaldt wem. Item in Ungerland all die dasign slosser, stet, marckh, dorffer und landleith von Christen, welchi iez pis auff disi zeit in turkhishen volckher handen und regie­rung* 8) nit gebesen ist, sundem noch in der Christen henden und regierung, von des­wegen das alle jar in unser May. shazdca- mer dreissig tausent ungerish gulden ge- shickht wer. Und diser gepundtner und peshbamerh) frid prieff und privilegio ist gebis und war an zbeiffl in diser gestaldt, das von seinen und seins prueders khunigs Carlo volckher und untherdenigen nichst solichs geshech und furkhum, bas ain auf- rur der fraintshafft ist, und es soldt nichst *) Folgt inen durchgestrichen. ') Im Orig, abern. Das folgende Objekt wurde irrtümlich weggelassen. 8) Folgt ist durchgestrichen. h) n über der Zeile eingefügt.

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