Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)
PETRITSCH, Ernst Dieter: Der habsburgisch-osmanische Friedensvertrag des Jahres 1547
Der habsburgisch-osmanische Friedensvertrag des Jahres 1547 67 teils wörtlich inseriert wurde, zuerst 1677 in französischer Sprache im Druck93). Das Originalschreiben, das übrigens von den napoleonischen Besatzungstruppen nach Paris verschleppt worden war und erst 1925 nach Wien zurückgelangte, wurde vor zwei Jahren samt moderner deutscher Übersetzung ediert94). Die osmanische Originalratifikation ist nicht erhalten geblieben. Eine Abschrift fand allerdings in der Urkundensammlung „Münse’ät es-selätin“ [Die Schreiben der Sultane] des Staatsbeamten Ahmed Feridün Aufnahme; sie ist in Band 2 der gedruckten Ausgabe enthalten95). Eine ungarische Übersetzung der bei Feridün edierten Urkunde erschien 189696), eine deutsche erstmals 197997). Die Ratifikation Kaiser Karls V. vom 1. August 1547 ist ausgesprochen knapp formuliert, jene Ferdinands I. vom 26. August weicht von der osmanischen Ratifikation im Wortlaut, nicht jedoch im Inhalt, beträchtlich ab. Keine der beiden Urkunden wurde bisher im Druck veröffentlicht98). Die Urkundensammlung Guillaume Ribier’s enthält allerdings eine zweite Ratifikation durch Karl V., die am 4. Februar 1548 ebenfalls in Augsburg ausgefertigt wurde99). Ignaz de Testa’s Vertragssammlung100) zählt die wichtigsten Friedensbestimmungen auf, ansonsten enthält die einschlägige Literatur nur knappe Erwähnungen101). Wenn die osmanische Originalratifikation auch verschwunden ist, so blieb doch eine im Auftrag des Sultans angefertigte deutsche Übersetzung erhalten; auf ihren Übersetzer wurde in Kapitel III näher eingegangen. Diese zeitgenös93) Lettres et Memoires d’Estat, des Roys, Princes, Ambassadeurs et autres Ministres, sous les Regnes de Franpois premier, Henry II. & Franpois II.... 2, ed. Guillaume Ribier (Paris 1677) 31-33. Vgl. auch oben S. 55 Anm. 28. 94) Schaendlinger Schreiben Süleymäns n. 7. 95) Erschienen Konstantinopel 1275 H. (1858/59) 76-78. Zum enormen Quellenwert dieser Urkundensammlung vgl. Kurt Holter Studien zu Ahmed Feridün’s Münde’ dt es- selätin in MÖIG Erg. 14 (1939) 429-451. 96) Török-Magyarkori Történelmi Emlékek II: írók 2, ed. von Jószef Thúry (Budapest 1896) 396-400. 97) Petritsch Ungarnpolitik 300-306 Beilage VI; allerdings ohne einen Vergleich mit der Handschrift H. O. 50 der österreichischen Nationalbibliothek anzustellen. 9S) Ausgenommen die Ratifikation Ferdinands, allerdings in einer späteren Abschrift (als Beilage zu einem Schreiben des Königs an die ungarischen Stände von 1547 Dezember 5) in: Magyar Történelmi Emlékek (Monumenta Hungáriáé Historica) I: Okmánytárak (Diplomataria) 2 (1858) 142—145. Interessant ist, daß in Zusammenhang mit den 30.000 Dukaten hier nicht mehr von „pecunia“, sondern von „munus honorarium“ die Rede ist! 99) Ribier Lettres et Memoires 2 106. 10°) Ignaz de Testa Recueil des traités de la Porte Ottomane avec les puissances étrangéres 9 (Paris 1898) 8f n. 3. 101) Hammer Geschichte 9 287 n. 150; ebenda 369 nn. 434f; Gabriel Effendi Nora- dounghian Recueil d’actes intemationaux de l’Empire Ottoman 1 (Paris 1897) 30f n. 158; Ludwig Bittner Chronologisches Verzeichnis der österreichischen Staatsverträge 1 (Veröffentlichungen der Kommission für neuere Geschichte Österreichs 1, Wien 1903) 16 n. 77; Holter Studien 440 n. 1; Matuz Herrscherurkunden 66f nn. 240, 248. 5*