Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)
PETRITSCH, Ernst Dieter: Der habsburgisch-osmanische Friedensvertrag des Jahres 1547
66 Emst Dieter Petritsch servitor Sebaldus“89)! Der Zweck dieser Kontaktaufnahme, die keinen weiteren schriftlichen Niederschlag gefunden hat, liegt im dunkeln; vermutlich ließ er dem Kaiser geheime Informationen zukommen, — Maximilian bedachte ihn jedenfalls mit einem Geschenk von 300 Gulden90). Mahmüd hielt sich länger als geplant in Venedig auf und wurde von den Differenzen zwischen der Signoria und der Pforte sichtlich überrascht, die sich schließlich im Krieg um die Insel Zypern entluden; die Venezianer nahmen ihn nämlich fest und internierten ihn bis zum Kriegsende in der Festung Verona91). Erst im Juli 1573 traf er wieder in Konstantinopel ein. Seine letzte diplomatische Mission führte Mahmüd als Überbringer der Friedensratifikation vom November 1574 schließlich nach Prag. Bald nach seiner Ankunft erfaßte ihn jedoch eine fiebrige Erkrankung, der er binnen 17 Tagen, am Ostersonntag, dem 3. April 1575 erlag. Laut ärztlichem Bericht hatte der Pfortendolmetscher Mahmüd ein Alter von ca. siebzig Jahren erreicht92). IV Gänzlich unbekannt waren die 1547 vereinbarten Friedensbestimmungen bislang nicht. Eine kurze Übersicht soll zunächst den heutigen Forschungsstand skizzieren. Gerhard Veltwyck vereinbarte am 13. Juni 1547 mit Großwesir Rüstern (Rustam) Pascha und am 19. Juni mit Sultan Süleymän den Abschluß des Friedens. Der Sultan faßte die Bedingungen in einem an König Ferdinand gerichteten ausführlichen Schreiben zusammen, wovon auch Gabriel d’Aramon, der Gesandte des verbündeten französischen Königs, eine Abschrift erhielt. Deshalb erschien diese Urkunde, deren Text in der osmanischen Friedensratifikation ") HHStA Turcica 26 Konv. 1 (1570 Jänner - März) fol. 21 f. Der Schriftvergleich mit seinen früheren Schreiben (vgl. auch Anm. 57) sowie mit den späteren, mit „Mahmuth“ unterfertigten, beweist eindeutig die Identität der Handschrift. 90) Ein undatiertes Memoriale (in HHStA Turcica 27 Konv. 2 fol. 289), worin „Sebaldus“ die neuesten Ereignisse aus dem Osmanischen Reich berichtet, mag damals dem Kaiser übermittelt worden sein. Ein gewisser „Andrea Bono“ erwähnt in einem ebenfalls undatierten Schreiben (in HHStA Turcica 29 Konv. 4 fol. 188-195, hier 194r), daß „Mamut“ mit einem „gentilhuomo mandato da sacra Maesta Cesarea incognito“ konferiert und einen Geldbetrag sowie Diamanten erhalten habe. „Sebaldus mercator Moldáviáé“ (!) bedankte sich schließlich am 5. Mai 1573, nach seiner Freilassung aus der venezianischen Gefangenschaft, bei Maximilian für ein Geschenk in der Höhe von 300 Gulden: HHStA Turcica 29 Konv. 2 (1573 Jänner - Mai) fol. 1601 91) Libro della guerra con Turchi („. . . capitato in Vinegia Mamut Chiaus [sic!] per passare in Francia . . . mandato prigione nel Castel vecchio di Verona . . .“): HHStA Handschrift B 308 (Böhm Handschriften n. 940) fol. 18v (neue Foliierung 20v). - Sebaldus alias Mahmüd richtete nach seiner Freilassung drei weitere Schreiben an Kaiser Maximilian, eines 1573 Mai 5 (vgl. Anm. 90), eines 1573 Dezember 1, unterzeichnet mit „Mahmuth“ (HHStA Turcica 29 Konv. 4 fol. 130 f) sowie ein undatiertes mit der Unterschrift „minimus servitor Sebaldus“ (ebenda fol. 179f). 92) Krankheitsbericht in lateinischer Sprache: HHStA Turcica 31 Konv. 2 (1575 März - April) fol. 55 f.