Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)
PETRITSCH, Ernst Dieter: Der habsburgisch-osmanische Friedensvertrag des Jahres 1547
Der habsburgisch-osmanische Friedensvertrag des Jahres 1547 65 Luft gegriffen, denn weder war Mahmüd hingerichtet worden, noch hatte er sich in ein habsburgisches Land abgesetzt. Sicherlich ist er Opfer einer der zahlreichen Intrigen am Sultanshofe geworden, wenngleich deren Anlaß und wahre Hintergründe völlig im Dunkeln liegen. Die folgenden Jahre brachte Mahmüd in politischer Bedeutungslosigkeit zu83), offensichtlich wurde er jedoch nicht in die Provinz verbannt: Im Jahre 1563 verehrten nämlich die kaiserlichen Gesandten Paulus de Palina und Achatius Csaby, die nach der Friedensemeuerung erstmals wieder 30.000 Dukaten überbrachten, dem „Mahumeth gewestem drachoman 1 doplet“ sowie 100 Dukaten84). Ein Jahr später war anläßlich derselben Gelegenheit, aus welchen Gründen auch immer, für Mahmüd kein Geschenk mehr vorgesehen85 *). 1567 ist abermals ein Pfortendolmetscher namens Mahmüd bezeugt. Marc’ Antonio Pigafetta, der die kaiserlichen Gesandten Christoph von Teuffenbach und Bischof Anton Verancsics begleitete88), beschreibt diesen Mahmüd als „nobile Tedesco“, der als Page König Ludwigs II. in der Schlacht bei Mohács in die Hände der Osmanen gefallen sei. Nach Stephan Gerlach, Prediger des Orators David Ungnad, war „Mahumuth ein Bayer von Passau“87). Die Angaben Pigafettas und Gerlachs sind allerdings unrichtig, - ob Mahmüd die beiden Berichterstatter, denen bisher bedingungslos vertraut worden ist, bewußt falsch informiert hat, oder ob sie ihr Wissen aus einer anderen Quelle bezogen, ist heute freilich nicht mehr festzustellen. Aus den Akten des Haus-, Hof- und Staatsarchivs läßt sich allerdings beweisen, daß nur ein Pfortendolmetscher namens Mahmüd, eben jener in Wien geborene Sebold, existiert hat88). Mahmüd wurde offensichtlich nach der Thronbesteigung Selims II. (1566) wieder in sein früheres Amt eingesetzt. Im Oktober 1569 sandte ihn der Sultan in Begleitung des französischen Gesandten Claude du Bourg nach Frankreich, um König Karl IX. zu überreden, seine Schwester Margareta mit Johann Sigismund Zápolya zu verehelichen. Am 17. Jänner 1570 auf dem Wege über Ragusa in Venedig eingetroffen, setzte sich Mahmüd umgehend mit Kaiser Maximilian II. in Verbindung: Dieses Schreiben unterfertigte er als „minimus 83) Ein Chiffrenschlüssel für Busbecq von 1559 Mai sieht zwar für die Dolmetscher Murád, Ibrahim und Ferhäd eigene Codes vor, nicht jedoch für Mahmüd: HHStA StK Interiora 13 (alt 20) fol. 53. 84) Verzaichnus der türckischen ferttigung vom 22. Julii anno [15] 63: Hofkammerarchiv (Wien) Reichsakten 190 fol. 111-114, hier 113r. 85) Verzaichnus . . ., 1564 Oktober 31: ebenda fol. 177f. 88) Itinerario di Marc’Antonio Pigafetta gentil’huomo vicentino. Londra apresso Wol- fio Inghlese 1585, ed. von Petar Matkovié Putopis Marka Antuna Pigafette u Carigrad od god. 1567 in Starine na sviet izdaje Jugoslavenska Akademija znanosti i umjetnosti 22 (Zagreb 1890) 68-194, hier 143. 87) Stephan Gerlachs de]3 Aeltem Tage-Buch der. . . durch den Wohlgebohmen Herrn Hn. DAVID UNGNAD . . . glücklichst-vollbrachter Gesandtschafft, ed. von Samuel Gerlach (Frankfurt 1674) 33. 8S) Die entscheidenden Schriftstücke wurden erst während der Drucklegung des vorliegenden Bandes bei Ordnungsarbeiten im Archivbestand Turcica entdeckt. Ich schulde dem Verlag außerordentlichen Dank, daß es zu diesem Zeitpunkt noch möglich war, die folgenden Änderungen anzubringen. Mitteilungen, Band 38 5