Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)

PETRITSCH, Ernst Dieter: Der habsburgisch-osmanische Friedensvertrag des Jahres 1547

64 Ernst Dieter Petritsch werde durch eindringliche Beschwörungen umzustimmen sein74), hatte der Dolmetscher die enthüllten Geheimnisse natürlich nicht für sich behalten. Prompt entsandte ihn Süleymän nach Siebenbürgen mit dem Befehl, der Pforte weiterhin in Treue zu dienen75). Auch in den folgenden Jahren wurde Mahmüd wiederholt zu diplomatischen Missionen herangezogen. 1553 überbrachte er König Sigismund August von Polen ein Sultans­schreiben76), und im folgenden Jahr begleiteten „der geborene Ungar Ferhad und der Wiener Mahmud“77) zusammen mit Oruc Qavu§ die siebenbürgischen Gesandten auf deren Rückreise vom osmanischen Feldlager bei Aleppo. Mahmüd erhielt dabei den speziellen Auftrag, Johann Sigismund Zápolya den Sultansbefehl zu überbringen, un­verzüglich nach Siebenbürgen zurückzukehren78); Oruc hatte das Herrschaftssymbol, die Standarte (Sandschak), einstweilen dem Adeligen Peter Petrovié zu übergeben79). Mah­müd hielt sich mehrere Jahre lang in unmittelbarer Umgebung Isabella Zápolyas auf, solange bis sie und ihr Sohn tatsächlich nach Siebenbürgen zurückgekehrt waren und ihre Herrschaft - von Süleymäns Gnaden - im Lande gefestigt hatten80). Erst Ende 1557 war er nachweislich wieder in Konstantinopel: Aus den Abrechnungen des habsburgischen Residenten Busbecq geht nämlich hervor, daß er anläßlich des Weihnachtsfestes und nochmals zu Ostern 1558 gemein­sam mit vielen anderen Würdenträgern mit Geschenken bedacht wurde81). Nur wenige Monate später folgte überraschend sein Sturz. Wie der Geheimagent Michael Cernovic am 29. Juli 1558 nach Wien berichtete, war Mahmüd kurz zuvor von seinem Dolmetscherposten entfernt und danach auch nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden, was zu verschiedenartigsten Spekulationen über sein Schicksal Anlaß gab82); die Gerüchte waren aber durchwegs aus der Konv. 3 (1550 April - Juni) fol. 223v; der teilweise chiffrierte Originalbericht ebenda fol. 213f. Ergänzend dazu ein weiterer Bericht Malvezzis von 1550 Juli 5: ebenda Konv. 4 (1550 Juli - September) fol. 8v, 59v (dt. Auszug). 74) Weisung an Malvezzi, 1550 Juli 26: HHStA Turcica 8 Konv. 4 (1550 Juli- Septem­ber) fol. 67-71, hier fol. 70r. 75) Befehl an die Siebenbürger Sachsen, 1550 Mai 28 - Juni 6: siehe die bei Josef Matuz Herrscherurkunden des Osmanensultans Süleymän des Prächtigen (Islamkundli- che Materialien 1, Freiburg i. B. 1971) 74 n. 306 enthaltenen Hinweise; Befehl an Bischof Georg Martinuzzi, 1550 Juni 7: HHStA Türk. Urk. 76) 1553 Februar 25 — März 3: Siehe Matuz Herrscherurkunden 82 n. 353. 77) So wörtlich bei Fessler Geschichte 3 567. 7S) Süleymän an Sigismund August von Polen und an Johann Sigismund Zápolya, 1554 März 6 und April 7 (letzteres ist ein Datierungsfehler): Siehe Matuz Herrscherur­kunden 85 nn. 373, 375. 79) Vgl. die Befehle an die siebenbürgischen Wojwoden Franz Kendi und Stephan Dobó sowie an die siebenbürgischen Adeligen und Richter (lateinische Übersetzungen): HHStA Turcica 10 Konv. 3 (1554 Jänner - April) fol. 39-52. 80) Josef Zontar Michael Cernovic, Geheimagent Ferdinands I. und Maximilians II., und seine Berichterstattung in MÖStA 24 (1971) 169-222, hier 188 (ohne Quellenangabe). 81) Eigenhändige Abrechnung Busbecqs über den Zeitraum 1555 November - 1560 November: HHStA Turcica 12 Konv. 2 (1555 Oktober - Dezember) fol. 188-191, hier fol. 189v. 82) Chiffrierter Bericht Őemovié’, 1558 Juli 29 („Machmuto dragoman de natione tadesca, nasciuto a Vienna, quäl stava per il passato in Transsylvania fu privato del suo officio . . .“): HHStA Turcica 13 Konv. 4 (1558 Juni - Dezember) fol. 165r - 165v.

Next

/
Thumbnails
Contents