Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)

PETRITSCH, Ernst Dieter: Der habsburgisch-osmanische Friedensvertrag des Jahres 1547

Der habsburgisch-osmanische Friedensvertrag des Jahres 1547 63 Am 10. März 1550 traf Sebold alias Mahmüd in seiner Vaterstadt Wien ein. Seine Mutter lebte damals noch, und er traf mit ihr auch zusammen65 66). Süley- män muß jedenfalls von der Loyalität Mahmüds hundertprozentig überzeugt gewesen sein; hätte er sonst einen Renegaten ausgerechnet in dessen frühere Heimat entsandt86)? Nun gibt es im Haus-, Hof- und Staatsarchiv ein sehr seltsames, leider unda­tiertes, von Mahmüd eigenhändig geschriebenes Dokument folgenden Inhalts: „Euren genaden allzeyt untherdeniger diener unndt rechter Christ, iez des thurkhischen kayser teuzer dulmaz. Post fidelium serviciorum meorum perpetuorum commendacio- nem semper fidelis servitor Mahmut interpres de Vienne“. Hierauf folgt ein ziemlich primitiver Chiffrenschlüssel mit dem Nachsatz „ob man mit prieff schreiben wirth, das mans mit solcher gestald schreib, und ich auch, ban ich hinaus prieff schreib, so wil ichs also schreiben“67). Mahmüd hat sein treuherziges Versprechen wohl kaum ernstgemeint, zumin­dest ist in den Akten kein einziges Schreiben entsprechend diesem beziehungs­weise einem zweiten, ebenfalls mit „Mahmuth“ bezeichneten Chriffrenschlüs- sel68) erhalten geblieben. Im Gegenteil: Die Vermutung liegt nahe, daß Mahmüd König Ferdinand damit glatt hinters Licht geführt hat. Es ist nämlich erwie­sen, daß Mahmüd aus seinem Mund von den bis dahin geheimgehaltenen Verhandlungen mit Isabella Zápolya und Bischof Georg Martinuzzi (Utjeäeno- viö) erfuhr69). Ferdinands Vertrauen hat sich Mahmüd möglicherweise mit dem eben beschriebenen Schriftstück erschlichen, das unter diesen Voraussetzun­gen aus dem Jahr 1550 stammen dürfte. Ferdinand war umsomehr arglos, als Malvezzi den Dolmetscher mit warmen Worten empfohlen hatte70). Dem Sultan gegenüber äußerte sich Ferdinand befriedigt darüber, daß er sich mit Mahmüd in seiner eigenen Sprache unter­halten konnte71), und er versprach dem Dolmetscher für die gesamte Dauer des Waffenstillstandes ein jährliches Geschenk von 100 ungarischen Goldduka­ten72). Umso schmerzlicher traf ihn daher die betrübliche Nachricht, „Mah­muth hab sich in Eur Khu. M. diensten übel gehalten und sey ain grosser pueb“73). Obwohl sich der König trotz alledem der Hoffnung hingab, Mahmüd 85) „Qui legatus hic habet matrem, quia natione fuit Germanus, hodieque ipsam invitavit ad prandium“: Ladislaus Nadasdy an seine Mutter Ursula de Kanysa, 1550 März 10 Wien, Auszug bei Georg Pray Epistolae procerum Regni Hungáriáé 2 (Preßburg 1806) 197 Aim.*). 66) Vgl. auch seine Mission nach Prag (1574/75) unten S. 65f. 67) HHStA Staatskanzlei (zit. StK) Interiora, Chiffemschüssel 13 (alt 20) fol. 213. 68) Ebenda fol. 21 lf. 69) Auf diese Tatsache weist schon Hammer Geschichte 3 289 hin. ,0) Bericht Malvezzis von 1549 Dezember 22: HHStA Turcica 8 Konv. 1 (1549) fol. 168r. 71) Ferdinand an Süleymän, Recredentiale für Mahmüd Beg, 1550 März 19: HHStA Turcica 8 Konv. 2 (1550 Jänner - März) fol. 103 f. 72) Ferdinand an Mahmüd, 1550 März 21: ebenda fol. 106r. 73) Deutscher Auszug aus einem Bericht Malvezzis von 1550 Mai 30: HHStA Turcica 8

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