Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)

SCHMIDL, Erwin A.: Zur Geschichte der k. (u.) k. Konsularvertretungen im südlichen Afrika bis zum Ersten Weltkrieg

272 Erwin A. SchmidI afrikanischen Union aufzubauen. Die junge Republik Österreich hatte freilich aus finanziellen Gründen keine Möglichkeit, an die Wiederaufnahme weltwei­ter diplomatischer und konsularischer Beziehungen im jenem Umfang zu den­ken, der zur Zeit der Donaumonarchie bestanden hatte. Lieders Angebot wurde zu den Akten gelegt. Admin. Reg. F 4/195 Personalia Lieder, KA Qualifikationslisten 1787; Jahrbuch 21. Jg. (1917) 342. Siegfried Freiherr von P i t n e r Am 13. August 1865 geboren, hatte er zunächst eine erfolgreiche Karriere als Marineoffizier eingeschlagen (1884 Seekadett 2. Kl., 1888 Linienschiffsfähnrich, 1894 Linienschiffsleutnant 2. und 1898 1. Kl.), bevor er mit 5. Mai 1898 in den k. u. k. Konsulardienst übernommen wurde. Der 1899 zum Vizekonsul ernannte Siegfried von Pitner arbeitete zunächst an der k. u. k. Botschaft in London, be­vor er Anfang 1901 nach Südafrika abging. Da London die Vorgesetzte Dienst­stelle der Vertretungen in Südafrika war und hier mit Vertretern der engli­schen Regierung auch über Ansprüche von „Conationalen“ auf Schadenersatz verhandelt wurde, war er bereits mit seinen Aufgaben im Transvaal vertraut, wo er sich ja in erster Linie um die durch den Krieg und seine Folgen ge­schädigten Österreicher und Ungarn zu kümmern hatte. Aus gesundheitlichen Gründen mußte Freiherr von Pitner schon Mitte 1902 einen Erholungsurlaub antreten, von dem er nicht mehr nach Südafrika zu­rückkehrte. Im Jänner 1903 übernahm er die Gerenz des k. u. k. Generalkonsu­lates in Liverpool. Seit 1904 leitete Pitner das Vizekonsulat Nis, einen schwierigen Posten, auf dem er sich ganz hervorragend bewährte. Nach verschiedenen anderen Verwendungen, zuletzt als Leiter des Konsulates in Breslau, wurde Siegfried Freiherr von Pitner, inzwischen zum Generalkonsul II. Kl. und ehren­halber zum Korvettenkapitän ernannt, mit 1. September 1919 in den Ruhestand versetzt. Admin. Reg. F 4/263 Personalia Pitner; Jahrbuch 21. Jg. (1917) 383 f. Egon Freiherr von R a m b e r g Egon Freiherr von Ramberg war am 12. Juli 1869 in Pécs in Ungarn geboren und am Wiener Theresianum erzogen worden. 1891 wurde er zum Korpsartille­rieregiment No. 11 als Einjährig-Freiwilliger assentiert, aber im Juli 1892 aus gesundheitlichen Rücksichten als untauglich entlassen. Am 30. Mai 1897 trat er in das Außenministerium und wurde zunächst probeweise dem k. u. k. Konsu­lat in New York zugeteilt. Anfang 1899 reiste er über London, wo er am 19. Jän­ner auch den Diensteid als effektiver Beamter leistete, nach Kapstadt. Er war dem dort neugeschaffenen Generalkonsulat zugeteilt und traf an seiner künfti­gen Dienststelle noch zwei Wochen vor seinem Chef, Konsul von Hirsch, am 9. Februar 1899 ein. Seine Dienstleistung in Kapstadt war vorzüglich, Konsul von Hirsch sah sich veranlaßt, „... seinem rastlosen Fleiß und Diensteifer, sowie seiner gewissen­haften Pflichterfüllung uneingeschränktes Lob ...“ zu zollen. Doch nicht nur Rambergs Vorgesetzter war mit ihm höchst zufrieden, auch die britischen Be­hörden, insbesondere der Hochkommissär, Lord Milner, waren von der Fähig­keiten, aber auch der anglophilen Gesinnung des jungen Beamten höchst ange­tan. Lord Milner hätte ihn schon 1900 gerne als österreichischen Konsul in Johannesburg gesehen, wie der erste Privatsekretär des britischen Außenmini­sters dem k. u. k. Botschafter in London mitteilte: “... it would be very agreeable to the English officials if he could be employed in the Transvaal. He is one of the few members of the foreign consular body at Capetown who is well disposed towards us.”

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