Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)
SCHMIDL, Erwin A.: Zur Geschichte der k. (u.) k. Konsularvertretungen im südlichen Afrika bis zum Ersten Weltkrieg
248 Erwin A. Schmidl Für einige der im Transvaal lebenden Österreicher und Ungarn hatte der Krieg hingegen durchaus Gewinne gebracht. Das gilt vor allem für jene Dalmatiner und Istrianer im Gebiet von Johannesburg und Pretoria, die sich der Gemüsegärtnerei widmeten. Schon vor dem Krieg hatten sie erfolgreich gewirtschaftet, während des Krieges aber hatten sie es geschafft, fast die gesamte lokale Gemüseproduktion zu monopolisieren. Dabei hatten sie „... infolge der horrenden Preise, welche während des Kriegszustandes für Gemüse bezahlt worden sind, immense Geschäfte gemacht: Leute, die weder Lesen noch Schreiben können, haben hunderte von Pfund Sterling in der Bank stehen, zu deren Deponierung sie die Hilfe des Consuls in Anspruch nehmen müssen. Hunderte von Pfunden haben sie nach Hause gesendet. Als die britischen Truppen Pretoria besetzten, liess man die in der Nähe der Stadt wirtschaftenden Gemüsefarmer in Ruhe, denn erstens konnte man sie gut beobachten und dann waren sie zur Versorgung der Stadt nothwendig. Es sind auch solche Leute nie verhaftet oder sonst behördlich drangsaliert worden. Als Pretoria nach aussen abgesperrt war, erlaubte man ihnen auch den Zutritt in die Stadt bzw. zum Markte und auch die Ausfuhr von Dünger .. ,“io3). Ein bemerkenswerter, jedoch nicht untypischer Fall war jener Paolo Milovcic’, der ...... als ganz armer Teufel nach Pretoria gekommen ist, ... ein ganz guter L andbauer war ... durch den Krieg enorm verdient hat und als verhältnismäßig reicher Mann den Transvaal ... verlassen hat. In einem einzigen Monat hat Milovcich, und seine zwei Partner, über 450 Pfund verdient ...“ 103 104). Dazu muß erwähnt werden, daß gutbezahlte Minenarbeiter etwa £ 30,— im Monat verdienten. Milovcic aber konnte Südafrika im Juli 1901 mit einem Vermögen von £ 600,— in der Tasche verlassen! Im Oranje-Freistaat, wo im Gegensatz zum Transvaal nur wenige Österreicher und Ungarn lebten, waren diese so wie alle Weißen schon bei Kriegsbeginn im Oktober 1899 von der militärischen Dienstpflicht erfaßt worden. In mindestens einem Fall ergaben sich daraus für den Betroffenen ernste Schwierigkeiten. Der 1857 in Mistrzowitz im Bezirk Teschen geborene Geschäftsmann Theodor Bellak lebte seit 1897 in Wynburg, hatte diesen Ort aber im Oktober 1899 wegen der Kriegsgefahr verlassen und wartete im britischen Port Elizabeth auf das Ende des Krieges. Schon im November wurde er jedoch für fahnenflüchtig erklärt und unter Strafandrohung aufgefordert, sofort nach dem Freistaat zurückzukehren. Der um Intervention ersuchte deutsche Konsul in Bloemfontein, Dr. Stollrei- ther, lehnte ein Einschreiten mit der Begründung ab, er werde für einen offensichtlichen Desserteur keinen Finger rühren ... Nicht zu Unrecht bezweifelte der k. u. k. Konsul in Kapstadt, von Hirsch, die neutrale Ein103) Kostanjevic an Botschaft London, Beilage zu n. 2504, 1902 November 12, Pretoria: Admin. Reg. F 36/18 Fall Kraljich. 104) Morpurgo an Ramberg, 1904 August 24, Pretoria, als Beilage zu: Ram- berg an MdÄ n. LXII, 1904 August 27, Johannesburg: Admin. Reg. F 36/18 Fall Milovcic.