Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)

SCHMIDL, Erwin A.: Zur Geschichte der k. (u.) k. Konsularvertretungen im südlichen Afrika bis zum Ersten Weltkrieg

K. u. k. Konsularvertretungen im südlichen Afrika 249 Stellung des Deutschen 105). Leider sind über Beliaks weiteres Schicksal keine Angaben vorhanden, doch dürfte es ihm — selbst wenn er dies gewollt hätte — schwergefallen sein, im November 1899 durch die feind­lichen Fronten hindurch nach Wynburg zurückzukehren! Ein ganz anderer Fall war der des schon erwähnten Staatssekretärs für Landbaufragen im Oranje-Freistaat, Dr. Proksch. Dieser hatte während des Krieges zeitweise als Krankenpfleger im Deutschen Spital in Jacobsdal gearbeitet, sich aber immer strikt neutral verhalten. Ende März wurde die von ihm geleitete Musterfarm Alexandria bei Thaba’Nchu ausge­plündert, er selbst am 12. April 1900 von britischen Geheimpolizisten ver­haftet. Unter unwürdigen Bedingungen wurde Dr. Proksch zusammen mit 14 weiteren Gefangenen nach Kapstadt gebracht und schließlich nach Europa befördert. Als Ersatz für die erlittenen Verluste sowie als Schmer­zensgeld für die Behandlung während seiner Gefangenschaft forderte Dr. Proksch im August 1900 über das k. u. k. Außenministerium von der britischen Regierung £ 2037,10,—. Sein Antrag wurde an die in London tagende Schadensersatzkommission weitergeleitet, vor der Dr. Proksch Anfang Juli 1901 auch persönlich erschien. Im Oktober 1902 endlich wur­de Dr. Proksch als Entschädigung die Hälfte des geforderten Betrages aus­bezahlt 106). Anders als die in den beiden Burenrepubliken lebenden Ausländer wur­den die Österreicher und Ungarn in Natal und der Kapkolonie vom Krieg kaum direkt betroffen und hatten lediglich unter den kriegsbedingten Notmaßnahmen sowie der Wirtschaftslage zu leiden. Eine Ausnahme wa­ren die — wiederum zum überwiegenden Teil dalmatinischen oder istria- nischen — Arbeiter in Kimberley. Diejenigen von ihnen — angeblich etwa 60 —, die nicht schon vor dem Beginn der Belagerung durch die Buren am 14. Oktober 1899 Kimberley verlassen hatten, verhielten sich während der viermonatigen Belagerung „durchaus tadellos und es ist auch nicht eine Klage über einen derselben laut geworden ..107). Doch schon kurz nach dem Entsätze der Stadt verließen alle österreichischen und ungarischen Bergleute Kimberley. Es wurde angedeutet, daß hinter diesem Verhalten ein mehr oder minder sanfter Druck der De Beers’ Mining Company gesteckt haben mag, doch ist dies nicht zu belegen. Jedenfalls war der Burenkrieg auch das Ende der österreichischen Kolonie in Kimberley 108). los) Hirsch an MdÄ n. IX, 1900 Februar 12, Kapstadt: Admin. Reg. F 36/19 Akt 13/4. 10°) S c h m i d 1 Österreicher 92—94. 107) Heubner (in Vertretung Pams Konsularvertreter) an Generalkonsulat Kapstadt. Zitiert in: Hirsch an Kommerzkanzlei London, n. 211, 1900 März 28, Kapstadt: Admin. Reg. F 8/148 Mappe Kimberley 1. los) Ebenda. Angesichts der etwas dubiosen Angaben über die Zahl der in Kimberley lebenden Österreicher anläßlich der Errichtung des Honorarkonsu­lats scheint auch bei diesen Angaben Vorsicht nicht fehl am Platze zu sein. Vgl. oben S. 232 und Anm. 32.

Next

/
Thumbnails
Contents