Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 37. (1984)

DUCHHARDT, Heinz: Das Tunisunternehmen Karls V. 1535

Das Tunisunternehmen Karls V. 1535 47 ßen Plan für einen Türkenkreuzzug unterbreitete, der sich aber nicht in der Abwehr erschöpfen dürfe; vielmehr müsse der Kaiser den Türken „poursuyr et augmenter nostre saincte foy que vous sera sans comparaison trop plus grande honneur et merite . . .“44). Noch ein- und nachdrücklicher bestätigt wird die These, daß für den Kaiser eine bloße Türkenabwehr nicht in Betracht kam, seiner „reputáción“ nicht genügte, durch die Ereignisse des Jahres 1541, als sein Bruder Ferdinand, der Papst, Andrea Doria und viele seiner anderen Berater ihn geradezu händeringend baten, in Österreich und Ungarn bei der Abwehr Süleymans - der immerhin das osmanische Heer persönlich anführte - mitzuhelfen, Karl aber ungeachtet aller Einwände und Bedenken auf „seinem“ (ganz allein von ihm konzipierten) Algierzug beharrte, den er wiederum per­sönlich leitete, der aber durch die Verkettung einer ganzen Reihe von unglück­lichen Umständen mit einem eklatanten Mißerfolg endete45). Ad 2: Karl.V. hat dem Tuniszug sehr gezielt einen abendländischen Charakter zu geben versucht46), ihn bewußt als ein Unternehmen der Christenheit — zumindest ihres altgläubigen Teils — durchgeführt, ganz entsprechend der Theorie, die sich seit etlichen Jahren bei ihm verfestigt hatte, daß der Türken­krieg, bei dem es um die respublica Christiana schlechthin ginge, alle nationa­len Egoismen zurücktreten lassen müsse, daß hier sämtliche europäischen Fürsten dem Ruf des Kaisers zu folgen und sich ihm unterzuordnen hätten47). Mit einiger Sicherheit hätte - vor allem im Blick auf den übergroßen Andrang reconquistabegeisterter Spanier, die gar nicht alle mitgenommen werden konnten - das Tunisheer allein in Spanien und dem Königreich beider Sizilien rekrutiert werden können, und diese größere Homogenität der Truppen hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit vor Tunis sogar manches erleichtert. Aber der Habsburger ersuchte mit Erfolg auch die übrigen Anrainerstaaten des westli­chen Mittelmeers, von Portugal über die italienische Staatenwelt bis nach 44) Margarethe an Karl V., 1529 Oktober 2: Lanz Correspondent 1 n. 125, 346. 45) Dazu Ludwig Cardauns Von Nizza bis Crépy. Europäische Politik in den Jahren 1534 bis 1544 (Rom 1923) Kap. 6, insbes. 143-177. Ich würde diese Präferenz für Algier allerdings nicht wie Cardauns (153) als Ausdruck von Karls „spanischem Kaisertum“ interpretieren, sondern wie hier im Sinn einer ganz bestimmten Konzeption von „Kaiser­tum“. Vgl. Paula Sutter Fichtner Dynasticism and its limitations: The Habsburgs and Hungary 1542 in East European Quarterley 4 (1971) 389-407. 46) Man könnte hier auch schon an seine Bemühungen von 1532 erinnern, eine Gemeinschaftsaktion aller christlichen Fürsten gegen die Türken zustandezubringen. Rassow hatte recht, wenn er formuliert, für Karl V. sei das Gemeinschaftsgefühl der Christenheit „geradezu die Basis seiner politischen Weltanschauung“ gewesen; Peter Rassow Die Kaiser-Idee Karls V., dargestellt an der Politik der Jahre 1528-1540 (Berlin 1932)87. 47) Programmatisch war das z. B. schon 1522 im Angesicht des drohenden Verlustes von Rhodos von ihm - „le premier prince chretien, vray protecteur et deffenseur de la sainte foy et religion chretienne, advocat et aisne filz de notre mere sainte eglise“ - formuliert worden; vgl. Karl V. an Poupet de la Chaux, 1522 August 25: Lanz Corre­spondent 1 n. 37, hier 67.

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