Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 37. (1984)
DUCHHARDT, Heinz: Das Tunisunternehmen Karls V. 1535
48 Heinz Duchhardt Malta, um personelle, materielle und finanzielle48) Mitwirkung und ließ zudem im Reich, in Schwaben, Söldner werben. Lediglich Franz I., der, mit welchen Hintergedanken auch immer, um die Stellung einiger Galeeren ersucht worden war, entzog sich mit wenig überzeugenden Ausflüchten, die aber immerhin auch hier einen Grundzug seiner Politik durchschimmem lassen, dieser Bitte49): Es galt, jede optische oder tatsächliche Unterordnung unter den Kaiser zu vermeiden50). Gerade diese Internationalität war für viele Beobachter ein beeindruckendes, inzwischen auch ungewohntes Schauspiel und ein Indiz dafür, daß das Tunisuntemehmen noch einmal als ein wirklicher Kreuzzug, ein christliches Gemeinschaftsunternehmen eingestuft werden müsse. Es befand sich indirekt ja auch in Übereinstimmung mit der kúriaién Theorie, die seit dem frühen 13. Jahrhundert die national geführten Kreuzzüge zugunsten des (natürlich unter der Oberleitung des Papstes stehenden) universalen Kreuzzuges verworfen hatte51). Karl trat wegen einer Türkenhilfe weder an Heinrich VIII., der sich nach der Scheidung von Katharina von Aragon aus dynastischen Gründen nicht geradezu als politischer Partner auf drängte52) (umso weniger, als er allen Bemühungen des Kaisers während der vergangenen Monate, ihn zur Kirchendisziplin zurückzubringen, die kalte Schulter gezeigt hatte)53), noch an das Reich heran. Dies hatte mehrere Gründe: Zum einen war man 1532 übereingekommen, daß der nächste Reichstag, der ja trotz aller neuen Formen ständischer Mitwirkung54) allein das Forum für Beratungen über eine Reichstürkensteuer sein konnte, über die Religionsfrage entscheiden sollte; daran, dieses Thema jetzt wiederaufzurühren, konnte Karl V. aber nicht gelegen sein, zumal er sich gerade erst mit dem Papst über die Einberufung eines Generalkonzils einig geworden war. Zum anderen war aufgrund der Erfahrungen von 1529 und 1532, als es ja immerhin um eine akute Bedrohung der Reichsgrenzen gegangen 48) Was die Finanzierung von spanischer Seite aus betrifft, so stand das Unternehmen insofern unter einem günstigen Stern, als außer den von den Cortes im Oktober 1534 zur Verfügung gestellten Mitteln und den noch vorhandenen französischen Lösegeldem der Papst ein Viertel der spanischen Einkünfte der Kirche bewilligte und in kurzen Abständen unmittelbar vor Beginn der Expedition zweimal spanische Silberflotten in Sevilla eintrafen: vgl. Sandoval Historia 210. 4S) Viel Material dazu bei Weiss Papiers d’état 2, z. B. KarlV. an Hannart, 1535 Februar 26 (n. 62, bes. 304), oder Instruktion für Pfalzgraf Friedrich, 1535 April 10 (n. 65, bes. 324). 50) Vgl. auch Rassow Die Kaiser-Idee 145f. 51) Mayer Geschichte der Kreuzzüge 170f sowie Paul Alphandéry La Chrétienté et l’idée de Croisade (Paris 1959) 42f. 52) Es gab im protestantischen Deutschland sogar Stimmen, die die Befürchtung äußerten, die kaiserlichen Rüstungen (für den Tuniszug) könnten sich in Wirklichkeit gegen England richten; vgl. Politische Correspondenz der Stadt Strassburg im Zeitalter der Reformation, bearb. v. Otto Winckelmann, 2 (Strassburg 1887) (im folgenden: PC Straßburg 2) n. 249. ”) Vgl. Rassow Die Kaiser-Idee 81, 113, 155. 54) Helmut Neuhaus Reichsständische Repräsentationsformen im 16. Jahrhundert. Reichstag - Reichskreistag - Reichsdeputationstag (Berlin 1982).