Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 37. (1984)

DUCHHARDT, Heinz: Das Tunisunternehmen Karls V. 1535

Das Tunisunternehmen Karls V. 1535 41 solchen „Kreuzzug“ mit einbezogen werden sollte12) im Frieden von Barcelo­na mit Papst Clemens VII. hatte sich Karl die moralische und finanzielle Unterstützung eines zukünftigen Türkenkrieges durch die Kurie zusichern lassen13 *), und als er nach der Kaiserkrönung, in deren Verlauf er explizit ein Kreuzzugsversprechen abgegeben hatte, mit dem Papst durch Bologna ritt, wurde ihm vor allen anderen Fahnen die Kreuzzugsfahne vorangetragen H). Vor der Abreise nach Tunis ließ sich Karl V. vom Papst den geweihten Degen und das Barett verleihen15), - ein sicheres Indiz dafür, wie beide und auch die öffentliche Meinung16) das Unternehmen einstuften. Als die Flotte am 30. Mai 1535 aus Barcelona absegelte, wehten am Mast der kaiserlichen Galeone, der „Bastarda“, Kreuzzugsfahnen17), und als Karl V. auf der Reise nach Afrika gefragt wurde, wer denn nun die Oberleitung des Unternehmens habe, soll er - nicht ohne ein gewisses Pathos — auf das Kreuz an seiner Brust gedeutet und sich selbst lediglich als Christi Fähnrich bezeichnet haben18). Während der kriegerischen Auseinandersetzungen vor Tunis beherrschten typische Kreuz­zugsfahnen (Maria und das Kind, der Gekreuzigte neben dem burgundischen Kreuz, jeweils auf rotem Grund) auf christlicher Seite das Bild19) - Vermeyens Kartons machen das z. B. deutlich -, der Sturm auf La Goletta erfolgte unter dem Schlachtruf „Honra de Dios“20), und Karl V. selbst hat in vielen Briefen im Vorfeld und während des Tuniszuges immer wieder unterstrichen, ihm gehe es 12) Karl V. an den persischen Schah, 1525 Aug. 25: Lanz Correspondenz 1 (1844) n. 75, 168f. - Diese Kontakte wurden bezeichnenderweise dann ab 1529 intensiviert: ebenda n. 113f, 292-296; vgl. dazu Barbara von Palombini Bündniswerben abendlän­discher Mächte um Persien 1453-1600 (Freiburger Islamstudien 1, Wiesbaden 1968) 60 ff. 13) Ludwig Freiherr von Pastor Geschichte der Päpste 4/2 (Freiburg “1925) 362. Der Titel des Aufsatzes von L. Gilliodts-van Severen La croisade de 1530 ordonnée par Charles-Quint in Academie Royale d’Histoire, Compte-Rendu des Séances 16 (1889) 261-282 weckt die falsche Assoziation, Karl V. habe bereits 1530 ganz konkret einen „Kreuzzug“ angeordnet. Es ging vielmehr darum, Hilfsgelder für König Ferdinand zur Türkenabwehr, die der Papst bewilligt hatte, zur Verfügung zu stellen. H) Pastor Geschichte der Päpste 4/2 387. Es wäre im übrigen eine reizvolle Aufgabe, dem Zusammenhang von Kreuzzugsversprechen und Kaiserkrönung einmal durch die Jahrhunderte hindurch nachzugehen; man müßte dabei wohl wenigstens bis 1220 zu­rückgehen. 15) Sandoval Historia 488. 16) Vgl. eine „Zeitung“ aus Genua von 1535 Januar 14: „il che hora fa a lui come defensore della fede“ (HHStA Belgien PA neu 26 fol. 27r). ”) Die eine zeigte einen Kruzifixus mit Johannes und Maria, die andere Schlüssel, Kelche und das rote Andreaskreuz; vgl. L. J. T. Elfrik Carl’s V. Zug gegen Tunis im Jahre 1535 in Oesterreichisches Archiv für Geschichte, Erdbeschreibung, Staatenkunde, Kunst und Literatur 2 (1832) 499, sowie den bei Gachet Expedition 17 abgedruckten Brief. - Dem Apostel Andreas kommt natürlich eine besondere missionarische Bedeu­tung zu! 18) Druéne Charles-Quint ä Tunis 26; vgl. auch Sandoval Historia 499, der für diese Episode allerdings keine Gewähr übernehmen möchte, sowie Pastor Geschichte der Päpste 4/2 160. ls) Vgl. die Beschreibungen von Primisser Vermeyen 20 und 331 20) Sandoval Historia 493.

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