Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)
NOFLATSCHER, Heinrich – SPRINGER, Elisabeth: Studien und Quellen zu den Beziehungen zwischen Rudolf II. und den bosnischen Christen
42 Heinrich Noflatscher — Elisabeth Springer nennt Bertucci weiters, man müsse dafür sorgen, daß die Reichskrone beim Haus Österreich bleibe; daher müsse vor allem die Nachfolge gesichert sein, sonst würden die „häretischen Fürsten“ am Reichstag einen der ihren zum Kaiser wählen. Auch dieses Problem ließe sich — laut Bertucci — lösen, wenn man in Einigkeit die Türken an der Grenze gegen Bosnien bekämpfe 67). Durch den mißlungenen Zug Erzherzog Leopolds mit dem Passauer Kriegsvolk nach Prag und den Tod Kaiser Rudolfs am 20. Jänner 1612 gestaltete sich die weitere Entwicklung im Reich aber anders. Nach geringeren Schwierigkeiten als erwartet kam es zur Wahl des Erzherzogs Mathias zum römisch-deutschen Kaiser. Die Doppelgleisigkeit aller Reichsbehörden in Prag und Wien wurde noch eine zeitlang weitergeführt, zumal auch Kaiser Mathias 1616/17 einige Monate in Prag residierte. Die Prager Behörden fanden offenbar erst mit dem ominösen Fenstersturz vom 23. Mai 1618 ein erzwungenes Ende 68 69). Als ob nichts geschehen wäre, taucht Bertucci im Jahre 1616 wieder in Prag auf, und zwar mit der Ankündigung, „er habe bei der Röm. Kays. Majestät unseres allergnädigsten Herrn hochwichtige Sachen zu trac- tiren“ 89). Er läßt sich hier etwa ab August nachweisen; auf dem Fuß folgte ihm Matteo Gralini, dem er seine Schulden seit zwanzig Jahren nicht bezahlt hatte; die beiden waren schon damals über die eigentliche Höhe dieser Summe in Streit geraten und hatten den Malteserprior Lob- kowitz als Schiedsrichter angerufen 70). Nun kam Gralini erneut zu Lob- kowitz und beklagte sich bitter über die Säumigkeit Bertuccis, worauf dieser von seinen Ordensoberen in Schuldarrest genommen wurde. Bertucci redete sich damit aus, daß er Gralini seinen ihm von der Hofkammer schuldigen Sold überantwortet habe, dessen Höhe er mit der stolzen Summe im konfessionellen Zeitalter (phil.-Diss. Innsbruck 1981); Springer Bertucci 91 f. 67) Djuvara Cent pro jets 517—521. 68) Die einschlägigen Werke über Behördenorganisation versagen in diesem Punkt völlig: Lothar Groß Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559 bis 1806 (Inventare österreichischer staatlicher Archive V/l, Wien 1933) übergeht das Problem, Thomas Fellner — Heinrich Kretschmayr Die österreichische Zentralverwaltung 1/1 (Veröffentlichungen der Kommission für neuere Geschichte Österreichs 5, Wien 1907) 82 behaupten, daß mit Mathias alle Behörden nach Wien verlegt worden seien, doch läßt sich eindeutig das Gegenteil nachweisen. Nach Gschließer Reichshofrat 193 sei der Reichshofrat nach Aufenthalt in Regensburg 1614 über Wels, Linz und Wien wieder nach Prag zurückgekehrt. Der Aufenthalt des Kaisers Mathias in Prag ergibt sich aus HHStA Reichsregisterbücher Matth. 1 fol 109 r—111 r; 2 fol. 8 r—35 r. Die Bände der Hoffinanz im HKA sind bis Ende 1617 in einer Prager und einer Wiener Reihe erhalten. Rudolf Koos und Otokar Bauer Archiv Koruny Ceske (Prag 1939) gehen ebenso wie das Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs nur auf die Verlagerungsorte der Archive und nicht auf den Sitz der jeweiligen Behörde ein. 69) Wittingau ftA Malt. rkp. c. 12 fol. 239 r—247 v. 7°) Siehe oben S. 37.