Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

Rezensionen 495 an Personen auskamen. Als eklatantes Beispiel führt K. die fürstliche Familie Esterházy an: Der annähernd 1 Mill. Katastraljoch große Familien­besitz mit 30 Herrschaftssitzen wurde von rund 300 Beschäftigten ver­waltet. Im weiteren widmet sich der Autor der Darstellung der praktischen Wirt­schaftsführung, es folgt die Erörterung der administrativen Verwaltung der Grundherrschaft; diese erstreckte sich vom Straßenwesen über die Selbstverwaltung der Untertanengemeinden bis zum Waisenstuhl und zu den Religionsfragen fast auf alle Bereiche des alltäglichen Lebens. Ge­gliedert nach den einzelnen Sachgebieten wird schließlich Einblick in die Jurisdiktion gewährt. Diese Arbeit von K. kann als Handbuch und Quellenpublikation zugleich eingestuft werden. In jedem Kapitel beschreibt er zunächst die Art der Funktionen; die Stichhaltigkeit seiner Ausführungen stützt sich auf zahl­reiche Belege. Wenn den Wirtschaftshistoriker besonders die Jahresver­rechnungen mehrerer Herrschaftsbuchhaltungen aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts interessieren, so wird damit keineswegs die Vielfalt des Gebotenen erfaßt; K. bringt sogar mehr als die zeitliche Begrenzung im Titel verspricht, skizziert er doch in einem Ausblick auch die Zeit nach der Bauernbefreiung. Die Struktur der grundsätzlichen Verwaltung erscheint zwar in der Be­handlung K’s übersichtlich, doch werden die Querverbindungen und Par­allelitäten gerade durch die Fülle der Beispiele nicht immer klar differen­ziert. Deshalb sind die schematischen Zeichnungen bzw. Gliederungen der Herrschaftsorgane im Text von großem Vorteil. Zum leichteren Verständ­nis der umfangreichen Materie dient sicherlich die Zusammenfassung, die leider nur in ungarischer Sprache gebracht wird. Ernő Deák (Wien) Helmut Reinalter Aufgeklärter Absolutismus und Revolution. Zur Ge­schichte des Jakobinertums der frühdemokratischen Bestrebungen der Habs­burgermonarchie (Veröffentlichungen der Kommission für neuere Geschichte Österreichs 68). Hermann Böhlaus Nacht., Wien—Köln—Graz 1980. 560 S. Die Rezeptionsgeschichte der Französischen Revolution im deutschen Sprachraum ist heute mit Recht ein wichtiges Thema geworden. Aber hat ihr der Ostberliner Historiker Heinrich Scheel wirklich einen Ge­fallen getan, als er in seinem bedeutenden Werk ( Süddeutsche Jakobiner. Klassenkämpfe und republikanische Bestrebungen im deutschen Süden Ende des 18. Jahrhunderts [Berlin 31962]) für die Sympathisanten der Entwicklungen jenseits des Rheins den Begriff der Jakobiner einge­führt hat? Nach einer großen Zahl nachfolgender Studien mag man dies füglich bezweifeln, auch wenn sich der Begriff durchgesetzt hat. Zwar hat er in einer wichtigen Forschungsrichtung den Weg gebahnt, die in den letzten Jahren einen beträchtlichen Aufschwung genommen hat, — zugleich aber hat die Suggestivkraft des Wortes „Jakobiner“ offensicht­

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