Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

486 Literaturberichte Rudolf II. steht in Rüstung, mit Krone und Krönungsmantel, im Mittel­punkt, flankiert zu seiner Linken von der Pax, zu seiner Rechten von einem Flaschenzug über einem zusammengestürzten Säulenmonument: ERIGAR, ich werde aufgerichtet werden. Es ist ein Porträt aus einem jüngst publizierten Habsburger-Zyklus (Klaus Albrecht Schröder Ein böhmischer Zyklus habsburgischer Herrscher. Beiträge zum allegorischen Fürstenbild­nis des 16. Jahrhunderts in Kunstjahrbuch der Stadt Linz 1982 3—65), wohl vor genau vierhundert Jahren entstanden (Rudolf trägt kein Gol­denes Vlies). Inzwischen ist eine zweite Serie (Schloß Wolfegg, Württem­berg) aufgetaucht; sicher war der Zyklus früher weiter verbreitet. Rudolf will dabei als Friedensbringer erscheinen, als derjenige, der Darnieder­liegendes wieder aufrichtet. Auch das spricht für die Datierung des Zy­klus’ in die ersten Regierungsjahre, als es noch keine Türkensiege zu vermelden gab. Noch taucht kein ADSIT, kein Adler auf, das weite Beiwerk der Sinnsprüche wird erst entwickelt. Im Sinne der hier zu besprechenden Publikation müßte man aber die oft schwer verständliche Emblematik der verschiedenen Herrscherbildnisse auch als politische Pro­paganda bezeichnen. Der Begriff scheint doch ein wenig weit gefaßt. V. hat sich in der Monographie über das Kulturleben zur Zeit Ru­dolfs II. einer „Schwachstelle der europäischen Historiographie“ (S. 1) angenommen, — 43 Seiten Literaturverzeichnis lassen aber erkennen, daß doch viel Material bereits vorgelegt und auch aufgearbeitet worden ist. Vor dem Kapitel „Propaganda Rudolfs II.“ hätte man sich eine Ent­wicklung der politischen Propaganda gewünscht; dann wäre deutlich ge­worden, daß schon manche Vorgänger des Habsburgers sich der Medien der Propaganda (Patente, Flugblätter und Zeitungen, Münzen und Me­daillen, Feste, Kunstwerke und Porträts) bedienten. Maximilian I., neben dem namensgleichen ersten habsburgischen König Vorbild Rudolfs II. schon in der Jugend (S. 102), war auf diesem Gebiet bahnbrechend. Darüber gibt es bereits ausreichend Literatur (vgl. z. B. Georg Wagner Maximilian und die politische Propaganda, in Ausstellung Maximilian., Katalog, Beiträge [Innsbruck 1969] 33 ff), ja bei Maximilian kamen zu den genannten Medien die literarischen Werke (Weiskunig, Theuer- dank), kam die erste große Ausnutzung aller Möglichkeiten der Druck­kunst hinzu. Im Vergleich zur Ehrenpforte, zum Triumph blieben die Auftragswerke Rudolfs II. Stümpereien. Der historische Ablauf wird in V’s Buch in drei Abschnitte geteilt: die frühe Zeit Rudolfs, beginnend mit Königs- und Kaiserwahl, Krönungen, Festen (Goldenes Vlies 1585), Reichstagen usw., dann die Kunst und ihre propagandistische Funktion allgemein. Das Wirken als Bauherr gehörte immer zu den Ruhmestaten eines Herrschers, — zu Rudolfs Zeiten war wohl der Festungsbau im Südosten bedeutender als Prunkarchitekturen. Die Umbauten in Wien und Prag spielen daher eine bescheidene Rolle, der Neubau in Linz — um den Ständen mehr Geld herauszulocken, er­klärte Rudolf, er würde sich mit seinen Schätzen dorthin zurückziehen! —

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