Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

Rezensionen 487 ist wirklich Beispiel für den sonst sehr sparsamen Bauherrn Rudolf II. Wenn dabei „Teutsche“ und „Welsche“ als Bauleute genannt werden, muß sich das nicht unbedingt auf die Nationalität, sondern kann sich auch auf die Zuordnung zu den deutschen und welschen Baumeistern beziehen, was nicht immer übereinstimmte. Zeitlich gesehen reichen aber diese Aufträge weit in das 17. Jahrhundert hinein, also schon in den Abschnitt „Türkenkrieg“, der mit dem Exempel „Wiedereroberung von Raab 1598“ ausführlich behandelt wird. Hier liegt das Schwerge­wicht des vorgelegten Materials, das Schwergewicht der Aktionen, — hätte es vielleicht im Titel richtiger heißen sollen: „Die politische Propaganda im Türkenkrieg Rudolfs II.“? Der letzte Abschnitt bietet nur den Aus­klang, die späte Zeit Rudolfs, für die seine politisch-propagandistischen Aktionen denen des Matthias im Bruderzwist gegenübergestellt sind. Einen gewichtigen Teil des Anhangs nehmen die Drucke ein. Es handelt sich um Flugschriften und Newe Zeitungen, bei denen jedoch (gemäß The­se 9, S. 331) „der direkte Bezug zur kaiserlichen Propaganda nicht ge­geben (ist), dennoch nehmen die meisten dieser Druckschriften Tenden­zen auf, die sich auch im unmittelbar kaiserlichen Bereich (Patente, Me­daillen) finden“. Ist der mit viel Mühe erstellte Anhang der Flugschrif­ten und der Verfasserschriften dadurch nicht etwas abgewertet? Fehlt nicht das persönliche Eingreifen des Herrschers, um überhaupt gerade bei Rudolf II. so dezidiert von politischer Propaganda eines Kaisers sprechen zu können? Aber man nimmt dankbar ein mit großer Quellenkenntnis, mit tiefem kulturgeschichtlichem Verständnis verfaßtes Werk zur Hand, das die seit Jahrzehnten gesammelten Quellen zur Kunstförderung und Kunstpolitik der Habsburger im Sinne Alphons Lhotskys zu einem Gesamtbild ver­einigt. Georg Wacha (Linz) John P. Spielman Leopold I. Zur Macht nicht geboren. Aus dem Englischen von Gerald und Uta Szyszkowitz. Verlag Styria, Graz—Wien—Köln 1981. 215 S. Theoretisch-systematische Erörterungen genügen alleine genommen kaum, um die Wirklichkeit von politischem Handeln im zwiespältigen 17. Jahr­hundert zu erfassen, — das hat die Diskussion um den Absolutismus als Regierungs- und Herrschaftsform gezeigt. Es ist daher sicher kein Zufall, daß die Geschichtsschreibung gerade für diese Epoche den Zugang zu den Phänomenen von Macht und Politik häufig über die Form der Biogra­phie gesucht hat; erinnert sei nur an die zahlreichen Lebensbilder Wal­lensteins, an das meisterhafte Porträt Richelieus von Carl J. Burckhardt oder an die akribisch gearbeiteten Darstellungen aus der Feder Max Braubachs. Zu diesem Typus zählt auch die vorliegende Biographie, wenn­gleich sie, schon rein umfangmäßig, nur eine knapp gefaßte Kompila­tion des Wissensstandes über Persönlichkeit, Charakter und Regierungs­weise Kaiser Leopolds I. sein will. Trotz dieses bescheidenen Anspruchs,

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