Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

460 Literaturberichte Dem Dokumententeil des hier zu besprechenden Bandes ist eine aus­führliche Einleitung der Herausgeberin in ungarischer Sprache voran­gestellt (S. 21—114). A. setzt sich hier unter anderem mit der Haltung der konservativen Partei unter Führung des Grafen György Apponyi auf dem Landtag 1847/48 auseinander; ferner mit den Reaktionen der Kon­servativen auf die Märzrevolution sowie mit der Rolle der konservativen Presse, wobei der Hinweis interessant erscheint, daß ,der Ton der kon­servativen Blätter das Gewoge der revolutionären Ereignisse getreu wider­spiegelte. Loyal, ja hyperloyal war er dem Ministerium gegenüber, als der Sieg der Revolution unerschütterlich schien' (S. 41). In einem eigenen Kapitel (S. 46—56) schildert A. die Situation in Siebenbürgen, das unter dem Hofkanzler Baron Samu Jósika zu einer Festung der ungarischen konservativen Aristokratie wurde. Weiters werden in der Einleitung noch folgende Fragen behandelt: Jellacic als ,die Hoffnung der Konservativen1 (S. 57—68), Vorschläge und Pläne zur bewaffneten Liquidierung der unga­rischen Revolution (S. 69—74), der Einfall von Windischgrätz in Ungarn und die Rolle der ungarischen Konservativen (S. 75—93), die Interven­tion des Zaren und deren Befürworter (S. 94—102) sowie die Haltung der Konservativen zu den Fragen der Neuordnung Ungarns nach der Revolution (S. 103—114). Die abgedruckten Dokumente geben ein eindrucksvolles Bild über die Lage des Landes am Vorabend der Revolution — freilich aus der Sicht des Wiener Hofes und des konservativen Adels. So charakterisiert Ferdi­nand in einem Brief an den ungarischen Hofkanzler Graf Antal Mailáth aus dem Jahre 1844 Ungarn als ein Land mit „an Anarchie grenzen­den Zuständen“ (S. 117); in einem Schreiben an den Palatin von Ungarn Erzherzog Joseph drängt Metternich auf größere Härte gegenüber der „radikalen“ Landtagsjugend (S. 121—123), und in einem Memorandum aus dem Jahre 1846 fordert Metternich die Schaffung einer starken konser­vativen Mehrheit im ungarischen Landtag (S. 188—191). Ferner befindet sich unter den edierten Schriften ein „Entwurf über die Kontrolle und Lenkung der Presse in Ungarn und Siebenbürgen“ (S. 142—146). Auf welche Weise damals Wahlagitation betrieben wurde, ersehen wir daraus, daß der ungarische Kanzler Graf György Apponyi unter strengster Ge­heimhaltung dem Bischof von Csanád im Oktober 1847 eine Geldanwei­sung in Höhe von 3000 Forint zur Unterstützung der konservativen Kan­didaten bei der Abgeordneten wähl schickte (S. 290—291). Die ergänzenden Dokumente zum zweiten und dritten Band erstrecken sich auf die Jahre 1848 bis 1850. Für diesen Zeitraum nur zwei dem Rezensenten interessant erscheinende Beispiele! In einem Schreiben vom 1. Jänner 1849 an Franz Joseph kritisiert Windischgrätz die übertriebe­ne Nachgiebigkeit der Regierung gegenüber der „Revolutionspartei“ (S. 379—381); in der Sitzung des österreichischen Ministerrates vom 25. Ok­tober 1849 macht Innenminister Bach den Vorschlag, mehrere ungarische Bürger auszuzeichnen, die sich während der Revolution durch ihre Kai­

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