Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)
SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich
Rezensionen 461 sertreue verdient gemacht haben (S. 448). Die angeführten Beispiele illustrieren die Reichhaltigkeit des vorliegenden Bandes. Die Benützung der in ungarischer Sprache abgefaßten Dokumente wird dem Leser, der des Ungarischen nicht mächtig ist, durch deutschsprachige Regesten etwas erleichtert. Ein umfangreiches kombiniertes Orts-, Personen- und Sachregister (S. 475—583) zu allen drei Bänden beschließt die Edition, mit der A. ohne Zweifel ein grundlegendes Werk zur Geschichte der Gegenrevolution von 1848/49 geschaffen hat. Friedrich Gottas (Salzburg) Briefe an, von und um Josephine von Wertheimstein. Ausgewählt und erläutert von Heinrich G o m p e r z, 1933. Für die Drucklegung neu bearbeitet und herausgegeben von Robert A. Kann, 1980—81 (österreichische Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Kl.: Sitzungsberichte 390). Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1981. 496 S., 29 Abb. Der Freundeskreis Josephine von Wertheimsteins war gemessen an ihrer Zeit imponierend und ist es noch viel mehr für uns Heutige. Zu ihm gehörten Dichter und Schriftsteller wie Eduard von Bauernfeld, Alexander Baumann, Moritz Hartmann, Ferdinand von Saar, Adolf Wilbrandt und Hugo von Hofmannsthal; die Maler Moritz von Schwind und Franz von Lenbach; die Musiker Joseph Dessauer und Theodor Leschetitzky; und Gelehrte wie Clemens und Franz Brentano oder Theodor Meynert. Zu Lebzeiten wurde diese geistreiche Dame von ihren vielen Verehrern geliebt und bewundert; ihr Tod versetzte die Überlebenden in tiefe Trauer. Am 18. Juli 1894 hielt Ferdinand von Saar auf dem Döblinger Friedhof die Grabrede, worin es unter anderem hieß: „Ich will ... in dieser schweren, erschütternden Stunde Dir danken im Namen der Kunst, die Du, ein langes Leben hindurch, geliebt, hochgehalten — begriffen wie wenige. ... Wie tief war Dein Verständnis, wie geläutert Dein Geschmack, wie sicher und treffend Dein Urteil, wie fein wußtest Du das Echte vom Unechten zu unterscheiden! ... Dir war überhaupt die Gabe verliehen, in jedem Menschen die besten Keime zu wecken, jeder, der Dir nahte, kehrte unwillkührlich die edelste Seite seiner Natur hervor, um Deine Teilnahme zu gewinnen. ... Du hast gelebt zum Glücke, zum Wohle, zum Heile anderer — Dir selbst ist kein Leid, kein Schmerz der Erde erspart geblieben“ (S. 459). Nicht das geringste Verdienst des vorliegenden Bandes ist es, diese Würdigung, abgesehen von der dem Anlaß entsprechenden Übertreibung, weitgehend zu bestätigen. Daß die Edition dennoch Probleme aufweist, ist nicht Schuld des Neuherausgebers, der bei seiner Tätigkeit einer vollendeten Tatsache gegenüberstand. Ab 1929 hat der Wiener Philosoph Heinrich Gomperz die Korrespondenz seiner Tante und ihrer Freunde, so weit es ihm möglich war, gesammelt und von seinem damaligen Privatsekretär Dr. Walter Zöh- rer chronologisch ordnen lassen. Danach hat Gomperz die ihm wesentlich scheinenden Stellen bezeichnet, die dabei entstandenen Auszüge überarbeitet, sie durch gedruckte Briefe, Bücher- und Zeitungsausschnitte