Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)
SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich
434 Literaturberichte Anfang November 1982 hat St. in einem Vortrag in der Akademie der Wissenschaften die Ansicht geäußert, es wäre insgesamt nicht mehr damit zu rechnen, daß noch namhafte neue Erkenntnisse unser Wissen über das Zustandekommen des Staatsvertrages ändern würden. Vielleicht sollte man hinzufügen, daß sich im Zusammenhang mit der sowjetischen Politik vor Abschluß des Vertrages ein derartiger Kenntnisschub durchaus noch einstellen könnte. Sonst aber wird St. gerade angesichts dieser Neubearbeitung recht haben. Das sollte freilich weder ihn noch irgend- wen, der sich mit Staatsvertragsfragen beschäftigen möchte, davon abhalten, weiterzuforschen. Denn wenn auch die wichtigsten Erkenntnisse bereits gewonnen sein dürften, gibt es noch zahlreiche Details, die zusätzliche Einsichten und eine Verschiebung von Akzenten mit sich bringen könnten. Solche Details wären beispielsweise auch in Verbindung mit der Neutralitätsfrage nachzutragen. Eine interessante Episode, auf die der Rezensent vor kurzem gestoßen ist, wird in den unmittelbar nach der Berliner Konferenz einsetzenden Bemühungen um ein drittes Kontroll- abkommen für Österreich zu sehen sein. Dabei wurden nicht nur weitere Erleichterungen des Besatzungsstatuts überlegt, sondern auch österrei- chischerseits an einem Modell gebastelt, wie die Frage des Deutschen Eigentums unabhängig von weiteren Staatsvertragsverhandlungen gelöst werden könnte, um dann, nach Ausklammerung der schwierigsten Materie, die Verhandlungen rascher zum Abschluß zu bringen. Doch, wie gesagt, dies sind Nuancen, Akzente, und sicherlich nicht entscheidende Erkenntnisse. Diese liegen vor und werden nach der Wandlung der „Kleinen Geschichte“ des Staatsvertrages zu einer schon sehr respektablen „Mittleren“ Geschichte wohl erst dann überholt sein, wenn St. seine „Große“ Geschichte des Staatsvertrages vorlegt. Bis dahin dürften aber noch etliche Jahre vergehen. Manfried Rauchensteiner (Wien) Österreich und die Großmächte. Dokumente zur österreichischen Außenpolitik 1945—1955, hg. von Alfons Schilcher (Materialien zur Zeitgeschichte, hg. von Erika Weinzierl, Rudolf Ardelt und Karl Stuhlpfarrer, Band 2). Geyer Edition, Wien—Salzburg 1980. XX, 359 S. Die vorliegende Aktenedition veröffentlicht 147 Aktenstücke aus dem im Haus-, Hof- und Staatsarchiv befindlichen Bestand der Akten der politischen Abteilung des österreichischen Außenamtes. Dieses war 1945 als „Amt für Auswärtige Angelegenheiten“ Teil der Staatskanzlei, zunächst unter unmittelbarer Verantwortung des Staatskanzlers Karl Renner, von 26. September bis 20. Dezember 1945 unter der Leitung des Unterstaatssekretärs Dr. Karl Gruber. Mehrfach wurde auch die Bezeichnung „Staatskanzlei — Auswärtige Angelegenheiten“ verwendet; irrig ist jedoch die vom Hg. in den Kopf regesten verwendete Bezeichnung „Staatskanzlei für Auswärtige Angelegenheiten“. Vom 20. Dezember 1945 bis