Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

422 Literaturberichte ten Zeiträume zu erwarten sind. Z. vertritt entgegen Heindl die Auffas­sung, daß die Verantwortung in erster Linie Franz Joseph selbst trug, zumal Buol nicht eine so dominante Stellung wie Schwarzenberg inne­hatte und auch nicht Ministerpräsident war. Er billigt jedoch freundli­cherweise dem Monarchen „Entlastungsgründe“ in Form seiner jugend­lichen Unerfahrenheit und der ausgesprochen schwierigen Lage der Monar­chie zu. Die in der Literatur Buol vorgeworfene Arroganz und Schroff­heit beschränkt Z. auf den Verkehr mit Rußland, Preußen und dem Bund. Im übrigen werde das Urteil Metternichs bestätigt, Buol habe nicht über den Tag hinaus gedacht. Nur die Militärs, vor allem Hess, hätten die Unzulänglichkeit einer rein pragmatischen Außenpolitik er­kannt. Unter den abgedruckten Dokumenten wird dies durch zwei Me­moranden des Generals über die Zukunft der europäischen Mächte und über Möglichkeiten einer inneren Stärkung der Monarchie belegt. Be­zeichnend für die österreichische Führung sei die Uneinigkeit der Bera­ter gerade in den wesentlichsten Fragen Krieg oder Frieden, Donaufür­stentümer sowie Haltung gegen Preußen gewesen, so daß der Kaiser tat­sächlich die Entscheidung treffen mußte. Die vorliegenden Dokumente illustrieren gut den Gegensatz zwischen Buol und dem damaligen Inter­nuntius Bruck. Generaladjudant Graf Grünne war nach Z’s Meinung zu sehr Höfling, um sich gegen andersartige Auffassungen Franz Josephs aufzulehnen, und habe dessen Befehle getreulich ausgeführt. Als Beleg führt er eine Militärkonferenz sowie Joseph Redlichs Franz Joseph- Biographie4) an. Die seitherige Literatur hat er offenbar nicht gelesen, vor allem nicht die übrigens im Literaturverzeichnis zitierte Arbeit des Rezensenten über das Kriegsministerium5), in der die Frage des Einflus­ses Grünnes auf den Kaiser ausführlich zur Sprache kommt. Den maß­gebenden Diplomaten wirft Z. den Mangel einer objektiven Analyse der Gegner und Partner Österreichs vor und besonders das Vertrauen in die angeblich konservative Haltung Napoleons III. und die stark emotionelle Komponente der Rußlandpolitik bis zum Ersten Weltkrieg. Im Literaturverzeichnis ist der Aufsatz von Antonius nochmals unter dem Namen Antonins angeführt, es fehlen etwa Beusts Erinnerungen oder die Arbeit Baumgarts über Probleme der Krimkriegsforschung 6). Überhaupt 4) Joseph Redlich Kaiser Franz Joseph von Österreich. Eine Biographie (Berlin 1929). 5) Walter Wagner Geschichte des k. k. Kriegsministeriums 1: 1848—1866 (Studien zur Geschichte der Österreichisch-Ungarischen Monarchie 5, Wien— Graz—Köln 1966). 6) Fritz Antonius Franz Joseph und das Reich. Politische Briefe des Kaisers aus fünf Jahrzehnten in Berliner Monatshefte 19 (1941) 710—726; [Friedrich Ferdinand Graf] B e u s t Aus drei Viertel-Jahrhunderten. Erinne­rungen und Aufzeichnungen 1: 1809—1866 (Stuttgart 1887); Winfried Baum­gart Der Krimkrieg in der angelsächsischen und russischen militärgeschicht­lichen Literatur der sechziger Jahre in Militärgeschichtliche Mitteilungen H. 2 (1970) 181—194.

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