Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

Referate 421 selbst sei in seiner Korrsepondenz mit den deutschen Fürsten maßvoller gewesen, was aber wohl nur auf einer „Arbeitsteilung“ mit dem Mi­nister beruhe. Über die unterschiedliche Form und Wertigkeit der ver­schiedenen Arten des diplomatischen Schriftverkehrs scheint sich Z. kei­ne Gedanken gemacht zu haben. An seiner Argumentation im einzelnen fällt auf, daß er teilweise die als Beweis angeführten Aktenstücke ge­waltsam uminterpretiert (nn. 239, 240, 243—45 in den Anmerkungen 69 und 70), teilweise Akten anführt, in denen von dem zu beweisenden Sach­verhalt überhaupt nicht gesprochen wird (nn. 266, 274 in Anm. 76). Merk­würdig mutet es auch an, daß etwa der in n. 3 Anm. 1 erwähnte Be­richt von Hess über seine Unterredung mit dem König von Preußen, die in n. 9 Anm. 3 erwähnten Vertragsentwürfe oder die Instruktionen Buols an Hübner und Colloredo (n. 5 Anm. 1) nicht abgedruckt wurden. Auch bei den als wichtiges Argument herangezogenen Zirkulardepeschen vom 14. Januar 1855 wäre wohl ein Abdruck empfehlenswert gewesen, obwohl sie bereits in den Aktenstücken3) erschienen sind. Insgesamt steht dieses Kapitel zur erklärten Absicht der Publikation, eine objektive Be­urteilung der österreichischen Politik zu ermöglichen, in deutlichem Wi­derspruch. Ähnliches gilt für das folgende Kapitel Österreich und der Balkan: Abschied von der Politik der Nichtintervention, wobei der Gegensatz zu der ausgewogenen Beurteilung durch Baumgart in der Einleitung zu dem (früher erschienenen) dritten Band besonders stark in die Augen springt. Die Belege in den Anmerkungen sind wiederum häufig ohne Zusammen­hang zu den Ausführungen (n. 33 in Anm. 93, n. 499 in Anm. 106, nn. 459 und 499 in Anm. 107, n. 529 [ betreffend den Armeevoranschlag als Be­leg für Vermittlungsversuche zwischen Cetinje und Konstantinopel] in Anm. 113). Für den Einsatz der österreichischen Kriegsmarine in den dalmatinischen Gewässern zwecks Verhinderung einer Versorgung der Aufständischen durch Schiffe des Triestiner Lloyds (sic!) führt die An­merkung 99 die Nummern 74 und 93 an, in denen darüber kein Wort steht. Während Z. im zweiten Kapitel den Primat der Außenpolitik kri­tisierte, bemängelt er nun, daß die Politik durch die innenpolitische Be­handlung der slawischen Minderheiten geprägt war und daß der Kaiser und seine Minister im Zeitalter des Neoabsolutismus kein vernünftiges Konzept zur Lösung der Nationalitätenproblematik vorgelegt hätten. Nach Darlegung der gescheiterten Versuche Buols, mit Hilfe der Wiener Konferenz zu einer Lösung der Orientalischen Frage zu kommen, erör­tert Z. abschließend die Rolle des Kaisers und seiner Berater. Es fragt sich allerdings, ob dieses Problem nicht besser für alle drei Bände ge­meinsam zu untersuchen gewesen wäre, da ja kaum wesentliche Un­terschiede in der Situation für die in den einzelnen Bänden behandel­3) Aktenstücke zur orientalischen Frage. Nebst chronologischer Uebersicht. Zusammengestellt von Julius von Jasmund 1 (Berlin 1955).

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