Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

Alldeutsch-deutschnationale Politik 405 Diese Monographie des Alldeutschen Verbandes — der vorliegende For­schungsbericht schließt sich eng an sie an — hat in den Mitteilungen des In­stituts für österreichische Geschichtsforschung----- (1980) 256 f durch die bun­d esdeutsche Historikerin Monika Glettler eine nachweislich unzutreffende Beurteilung gefunden. Eine sachbezogene Auseinandersetzung mit dieser Rezension wird dadurch erschwert, daß Glettler es vermieden hat, den Inhalt des Buches zu skiz­zieren, seine Ergebnisse zu überprüfen bzw. eigene unter Umständen kon­troverse Thesen zu formulieren. Stattdessen werden in sehr apodiktischer Manier Pauschaleinwände aneinandergereiht, die eine nähere Begründung vermissen lassen. Insgesamt zielen sie darauf, dem Verfasser die Qualifikation zu wissenschaftlicher Arbeit abzusprechen. So wird mit Nachdruck hervor­gehoben, er erfülle nicht einmal die „Minimalforderung“ sprachlicher Aus­drucksfähigkeit. Der Vorwurf, dem Autor dieser — immerhin fast 700 Seiten (masch.) umfassenden — Dissertation fehle es am nötigen „Fleiß“, erscheint als willkürliche Polemik, — jedenfalls haben sich die anderen Rezensenten das Urteil Glettlers ganz und gar nicht zu eigen gemacht. Neben weiteren wissenschaftlichen .Erkenntnissen“ dieser Art — so das un­verhältnismäßig ausführliche, stark übertreibende Hervorzerren kleinerer for­maler Mängel, die beim nichtsubventionierten Dissertations,druck“ bedauer­licherweise kaum zu vermeiden sind — enthält diese .Autorenbeschimpfung“ noch Ausführungen zur Methodik der Untersuchung. Sie beruhen fast aus­nahmslos auf einer nachweislich unzutreffenden Vorstellung von deren Glie­derung und methodischer Konzeption. Die Rezensentin konstatiert, vorliegende Untersuchung lasse weder eine sinnvolle Gliederung erkennen, noch biete sie eine Interpretation der alldeutschen Politik. Der zugrundeliegende Irrtum: Aus Glettlers eigenen, detaillierten Seiten- und Kapitelangaben geht her­vor, daß sie eine Zwischenbilanz (S. 190—196) der ereignisgeschichtlich­deskriptiven Kapitel I bis V (S. 13—189) bereits für den Anfang der Schluß­zusammenfassung gehalten hat. In der Erwartung endloser Wiederholungen im Rahmen einer — wie sie fälschlicherweise schreibt — etwa 90(!)-seitigen Zusam­menfassung beendete die Rezensentin offensichtlich vorzeitig ihre Lektüre. Anderenfalls würde sie selbstverständlich bemerkt haben (1.), daß die betref­fende Zwischenbilanz schon nach 7(!) Seiten (S. 196) ihren Abschluß findet. Sie würde (2.) auch bemerkt haben, daß die — für sie apokryph gebliebenen — Kapitel VI und VII (S. 197—281) dem Versuch einer Interpretation der alldeutschen Politik als „extremem Nationalismus“ gewidmet sind; daß sie (3.) eine intensive — in den Anmerkungen nachgewiesene — Auseinandersetzung mit der internationalen Fachliteratur enthalten und daß (4.) sehr wohl Material aus dem Deutschen Zentralarchiv Potsdam berücksichtigt worden ist usw., ... diese Arbeitsschritte aber hat Glettler, wie sie ausdrücklich schreibt, gänzlich vermißt. Wir beabsichtigen mit diesen kurzen Bemerkungen keineswegs, das Können Frau Glettlers als Expertin vor allem für tschechische und slowakische Min­derheiten- und Wanderungs-Probleme um 1900 in Zweifel zu ziehen. Unab­hängig davon dürfte aber der Hinweis legitim sein, daß Glettlers wissenschaft­liches Oeuvre nicht erkennen läßt, woraus sie eigentlich einen Anspruch auf Sachkompetenz in Fragen des wilhelminischen Nationalismus oder der deut­schen Minderheit in Ungarn ableitet. Aber sicherlich kann auch eine wissen­schaftliche .Grenzüberschreitung“ dieser Art in eine sinnvolle komparative Dis­kussion über Nationalitätenprobleme der späten Habsburgermonarchie mün­den. Was das sonstige rezensorische Echo des erwähnten Buches angeht, so schei­nen uns einige Bemerkungen zu der — eindrucksvoll sachkundigen und sach­

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