Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

COONS, Ronald E.: Reflections of a Josephinist. Two Addenda to count Franz Hartig's „Genesis der Revolution in Österreich im Jahre 1848”

Reflections of a Josephinist 229 Landeschefs in Böhmen zu jener eines Staats- und Conferenz-Ministers, der Höchsten im Staate, ohne daß er jemals bei einer Hofstelle und über­haupt in irgend einem anderen Theile der Monarchie als in Böhmen ge­dient hatte, war das Werk dieses Einflußes, welcher sich in zweifacher Richtung bei der Ernennung des Ersatzmannes für den verstorbenen Staats- und Conferenz-Minister Grafen Carl Zichy geltend zu machen wuß­te, nämlich vorerst gegen den Oberstkanzler Grafen Saurau 18), dessen lange Diensterfahrung, genaue Kenntniß der Monarchie in allen ihren Theilen und hohe Stellung in der Diensthierarchie seine Berufung auf jenen Posten zu begründen schien, und sonach zu Gunsten des böh­mischen Oberstburggrafen. Graf Saurau hatte sich durch seine niemals verleugnete Anhänglichkeit an die Josephinischen Grundsätze und Ab­neigung gegen ständische Einmengung in Regierungsgeschäfte den Haß der böhmischen Großen zugezogen. Die Opposition, welche er den ultra­montanen Tendenzen bot, verbunden mit Sarcasmen über so manche Maßregeln in der äußeren Politik und inneren Verwaltung, hatten die alte Anhänglichkeit des Kaisers an seine Person geschwächt, die Kaiserin aber ihm vollends abhold gemacht und auch den Staatskanzler Fürst Met­ternich gereizt. Ohne Bedenken wurde daher der unter ihm stehende Oberstburggraf über ihn gestellt. Graf Kolowrat mußte wohl wissen, daß es der überwiegende Einfluß seiner Landesleute war, welcher ihn un­mittelbar an die Stufen des Thrones gezogen hatte. Er konnte daher kaum ein anderes Verhalten als sein Bisheriges dem eigenen Interesse angemes­sen finden. Darum blieb er fortan Protector der Böhmen. Bei diesen war nun aber seit den Zeiten des sogenannten Winterkönigs eine Tendenz nach nationaler Unabhängigkeit von den Wiener Hofstellen nicht erlo­schen. Die Stände Böhmens trachteten bei jeder Gelegenheit, den Ein­fluß dieser Hofstellen zu vermindern und den Eigenen zu erhöhen. Graf Kolowrat trat den dazu führenden Schritten nicht fest und offen entge­gen, um seine Popularität im Lande nicht zu verliehren, sondern dachte, daß er, so wie früher als Oberstburggraf in Prag, auf gleiche Weise als Minister in Wien der ständischen Bewegung, sobald er es für nöthig erachten würde, ein wirksames „Halt“ zurufen könne19). Mittlerweile begannen die Stände Nieder-Österreichs, durch dasjenige, was den [!] Böh­mischen anging, ermuntert, dem Beispiele dieser Letzteren zu folgen. Sie daran hindern zu wollen, wäre inconsequent gewesen. Die Weihrauch-Wolken, in welche Kolowrat durch die Liberalen, das ist durch die mit dem Gange der Verwaltung Unzufriedenen, wegen seiner scheinbaren Sympathie mit ihren Ansichten gehüllt wurde, verdunkelten seinen Blick in die Zukunft. Er betrachtete die der Regierung feindlichen ls) On Saurau see above, footnote 11 of the introduction. 19) For a further expression of the view that Kolowrat supported the Bo­hemian opposition to centralism see H a r t i g Genesis 85—86.

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