Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 35. (1982)

LUTTENBERGER, Albrecht: Landfriedensbund und Reichsexekution. Friedenssicherung und Bündnispolitik 1552/1553

Landfriedensbund und Reichsexekution 17 zuheizen, dadurch die Position der Fürsten zu schwächen und so die Durch­setzung des spanischen Sukzessionsprojektes vorzubereiten, also die Bindung der Reichsregierung an die auswärtigen Interessen der habsburgischen Hausmacht aufrechtzuerhalten. Die Beseitigung der konfliktträchtigen Spannungen zwischen dem Markgrafen und den fränkischen Bischöfen, zwi­schen Herzog Heinrich von Braunschweig und seinen Gegnern, zwischen Hessen und Nassau, zwischen Markgraf Albrecht und Trier und zwischen beiden sächsischen Linien sollte diese angenommene Herrschaftsstrategie der kaiserlichen Regierung durchkreuzen. Ob man zu diesem Zweck einen Bund gründen mußte, war in Heidelberg fraglich, weil dies einen offenen Affront gegen den Kaiser, dessen eigenen Bundesplan man eben abgelehnt hatte, be­deuten mußte48). In jedem Fall aber schien es geboten, Manövrierräume von vorneherein zu verschließen, die zur Störung der angestrebten Formation einer konsensfähigen Ständegruppe genutzt werden konnten. Unter diesem Aspekt, nicht aus konfessionspolitischen Motiven war die Abhängigkeit der geistlichen Fürsten von ihren Domkapiteln bedenklich49). Wichtiger noch war, der kaiserlichen Regierung weder die Möglichkeit noch einen Vorwand zur Einflußnahme zu geben, ohne einen offenen Bruch mit dem Kaiser zu provozieren50). Die kaiserliche Bundes- und Reichspolitik sollte lediglich ausmanövriert, nicht unmittelbar bekämpft werden. Außer auf den Erfolg der eigenen Vermittlungsbemühungen rechnete man dabei auf die zumindest indirekte Unterstützung Ferdinands. Seit Anfang Februar 1553 betrieb Pfalz eine gezielte Informationspolitik, die dem König signalisieren sollte, worauf es im Interesse des Reiches vor allem ankomme51): auf die Abwendung des 48) Vgl. das pfälzische Beschlußprotokoll zur Beantwortung der hessischen Anre­gung zu einem Treffen zwischen Pfalz, Kurfürst Moritz und Hessen in Gelnhausen und zu einem Bund zwischen Kursachsen, Hessen, Pfalz, Mainz, Trier, Bayern, Württem­berg und Würzburg, 1553 Februar 27: HSTA München Kasten blau 94/2 a fol. 13rv. - Zu den hessischen Bemühungen um die Verwirklichung beider Pläne und zur späteren hessischen Unterstützung pfälzischer Pläne für eine Vermittlung zwischen beiden sächsischen Linien bzw. zwischen Kurfürst Moritz und Markgraf Albrecht vgl. Druf­fel Beiträge 4 36f n. 43 und 50f n. 56; Landgraf Philipp von Hessen an Alexander von der Thann, 1553 Februar 23 Weickersdorf: HSTA München Kasten blau 94/2 a fol. 8rv; Landgraf Wilhelm von Hessen an Landgraf Philipp von Hessen, s. d.: ebenda fol. 9-10; Alexander von der Thann an den pfälzischen Marschall Hans Landschad, 1553 Februar 26: ebenda fol. 7rv; Landgraf Philipp von Hessen an Alexander von der Thann, 1553 Februar 28, März 1, 6, 11 und 14, durchwegs Marburg: ebenda fol. 16-17, 18r, 20r, 22rv und 28r. 49) Vgl. das pfälzische Beschlußprotokoll zur Beantwortung des in Anm. 48 er­wähnten hessischen Bundesplanes, 1553 März 1: HSTA München Kasten blau 94/2 a fol. 14rv. Landgraf Philipp billigte die pfälzische Auffassung: vgl. Druffel Beiträge 4 50f n. 56. - Bezeichnend die Äußerung von Kurfürst Moritz: „Wir lassen uns der Pfaltz meinung, das man die bischoff bis endtlich under den weltlichen chur- und für­sten geschlossen nit zum handel ziehe, gefallen, dan sie werden sich alßdan selbst wole hertzufinden“: vgl. Kurfürst Moritz an Landgraf Philipp von Hessen, 1553 März 10 Leipzig: HSTA München Kasten blau 94/2 a fol. 29 rv. 50) Vgl. Ernst Briefwechsel 2 21—25 n. 21, hier 24. 51) Den Mittelsmann spielte dabei der Neuburger Rentmeister Gabriel Arnold, der zu Dr. Johann Ulrich Zasius Kontakt aufnahm. Vgl. Druffel Beiträge 4 40-45 n. 47, Mitteilungen, Band 35 2

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