Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag

152 Rosemarie Aulinger gensburg entsandt hatten20), war eine zügige Erledigung und damit eine bal­dige Beendigung des Reichstags erwünscht. Umso unglücklicher und zeitrau­bender sollte die von den Protestanten ins Spiel gebrachte Verquickung von Religion und Türkenhilfe sein; so hatte es dadurch zunächst den Anschein, als würde jede Möglichkeit, die kaiserlichen Wünsche ohne größere Schwie­rigkeiten durchzubringen, zunichte. Dennoch - die aus Ungarn und aus Istanbul, aber auch durch die Gesandten in Venedig und Rom immer wieder bestätigte Aufrüstung durch den Sultan und die Furcht vor einem neuerli­chen Angriff beschäftigten die Reichsstände. Wie rasch das schlagkräftige türkische Heer vor den Toren Wiens und damit an den Grenzen des Reiches stehen konnte, hatte man bereits 1529 erfahren21). Gerade diese Meldungen, die sicherlich nicht in allen ihren Einzelheiten die volle Wahrheit enthielten, was ja angesichts der verworrenen Lage in Ungarn, aber auch der mangeln­den Kenntnisse mancher Berichterstatter und der sicherlich von den Türken bewußt angewandten Verschleierungstaktik kaum möglich war, rüttelten die Stände auf, zumal diese nicht alle vom Kaiser oder seinem Bruder übergeben wurden, sondern auch von den einzelnen Reichsfürsten, denen man eine ob­jektivere Beurteilung der Lage zubilligte als den direkt betroffenen Habs­burgern. Obwohl man über die Berichte selbst nicht verhandelte - wie wir noch weiter unten sehen werden —, waren diese Gesprächsstoff in den Ver­sammlungen, aber auch bei nicht offiziellen Zusammenkünften von Fürsten und Ständen22) und verursachten - zum Teil sicherlich unbewußt - eine in­tensivere Beschäftigung mit der Materie, selbst wenn nach außen hin dem Kaiser jede Aufstockung des Reichsheeres abgelehnt wurde. Dennoch war man sich zweifelsohne der Gefahr bewußt: Die relative Zügigkeit der Ver­handlungen und die konkreten Ergebnisse lassen - im Vergleich mit anderen Reichstagen - diesen Schluß zu. Am 25. April 1532 verlas der Mainzer Kanzler zwei lateinische Zusammen­fassungen verschiedener Briefe von Dezember 1531 bis April 1532, die durch Kaiser Karl V. und Kardinal Matthäus Lang, den Salzburger Erzbischof, dem 20) Das Kredenzschreiben und die Instruktion für Hans von Puchheim, Eberhard von Polheim, Georg von Neuhaus, Hans Katzianer, Franz von Thum und Georg von „Bergkeym“ als Vertreter der österreichischen Erblande: ME A RTA 6 a/2 fol. 223r-229v (Credenz fol. 215r—222v), HHStA Reichsarchive Reichskanzlei (= RK) RTA 5 b fol. 14r-21r; vgl. Westermann Die Türkenhilfe 87. Die ungarischen Gesandten waren: Ladislaus von Macedonien (Macédóniay), Franz Batthyány und Nikolaus Thur- zö. Sie dürften jedoch nur mit Ferdinand verhandelt haben, da sich in den RTA kei­nerlei Hinweise auf Anträge an die Reichsstände finden: vgl. Bucholtz Geschichte Ferdinand des Ersten 4 557ff und Turetschek Die Türkenpolitik 268f. 21) Vgl. Franz Stöller Soliman vor Wien in Mitteilungen des Vereins für Ge­schichte der Stadt Wien 9/10 (1929) 31; Günther Burstyn Die Türkenbelagerung Wiens vor 400 Jahren in Militärwissenschaftliche und technische Mitteilungen, hg. vom österreichischen Bundesministerium für Heerwesen (1929) 600ff. 22) Die Gesandten Augsburgs (Stadtarchiv Augsburg Literalien 1532), Georgs von Brandenburg (Staatsarchiv Nürnberg, Ansbacher Reichstagsakten 18) u. a. berichten immer wieder davon.

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