Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag

Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532 153 „großen Ausschuß“, der sich mit der Türkenhilfe zu befassen hatte, vorgelegt wurden23). Die Briefe De apparatu Tureae an den Kaiser umfassen den Zeit­raum vom 8. Dezember bis zum 5. April: Die ersten sprechen noch von einem Angriff der Türken gegen Deutschland und Italien24), sie melden die Vorbe­reitungen zur Verproviantierung des Heeres, den Bau von Schiffen und Brücken, die Bereitstellung von Kanonen und Munition, die bereits ausge­sandten Vollmachten an die Sandschaks von Bosnien und Belgrad zur Aus­hebung neuer Truppen und die letzten Kriegsvorbereitungen25). Am 26. Fe­bruar berichtet ein Kundschafter, aus den Briefen Alvise (Ludovico) Grittis an Johann Scepusiensis26) sei zu erfahren: „Parata sunt omnia apud Tuream tam ea que ad maritimam quam pedestrem et terrestrem expeditionem spec­tant“27). Die folgenden Mitteilungen sprechen von der Abreise Grittis nach Ungarn28) und in Belgrad befindlichen Soldaten, Munition und Holz. Das Schreiben vom 5. April 1532 gibt bereits nähere Detaüs: Der Sultan hätte das dritte Mandat zur Sammlung des Heeres erlassen29), Kamele würden nach Phüippopel (Plovdiv) gebracht und die Sipähi hätten alle ihre Pferde beisammen30); etwa 150 Schiffe lägen zur Abfahrt in die Donau im Hafen von Istanbul bereit. 23) MEA RTA 6 a/2 fol. 89r-90r (übergeben vom Kaiser) und fol. 90v (übergeben von Salzburg). 24) Ebenda fol. 89 r: „omnia parata esse tam pro maritima expeditione quam futu­ram dicunt contra Apuliam et Siciliam quam pedestri contra totam Germaniam“. 25) Ebenda fol. 89v: 1532 Februar 20. Ähnliche Berichte auch in Hungarica 20. Vgl. Turetschek Die Türkenpolitik 318. 26) Scepusiensis = von der Zips. Es handelt sich um ein Schreiben an Johann Zá­polya, der hier in seiner Funktion als Graf der Zips angesprochen wird. Zu Gritti vgl. Heinrich Kretschmayr Ludovico Gritti in AÖG 83 (1896) 1-106. 27) MEA RTA 6 a/2 fol. 89 v: 1532 Februar 26. 2S) Ebenda fol. 89 v: 1532 März 8; am 22. März war Gritti in Adrianopel und ging von dort - über Siebenbürgen - nach Ofen, das er am 17. Juli wieder verließ, um Sü- leyman entgegenzuziehen: vgl. Kretschmayr Gritti 40-46. Gritti war 1532 bei eini­gen ungarischen Adeligen als möglicher König im Gespräch und wurde auch vom Sultan als „Protector“ Ungarns angesehen. Er scheint eine selbständige Herrschaft - als Sandjak-Beg im Verband des osmanischen Reiches - angestrebt zu haben: vgl. Fessler-Klein Geschichte 3 459. 29) Es wurden vor jedem Feldzug immer nur drei Mandate erlassen, das letzte be­deutete somit den unmittelbar bevorstehenden Aufbruch des Heeres aus Istanbul (Aprü 24). Zur türkischen Militärorganisation vgl. u. a. Theodor Menzel Das Korps der Janitscharen (Beiträge zur Kenntnis des Orients. Jahrbuch der Münchner orienta­lischen Gesellschaft 1, Berlin 1903) 47-94; Alfred von Pawlikowski-Cholewa Die Heere des Morgenlandes. Militärische Beiträge zur Geschichte des nahen und fernen Orients (Berlin 1940) 269-293; Josef von Hammer-Purgstall Des osmanischen Reiches Staatsverfassung und Staatsverwaltung, dargestellt aus den Quellen seiner Grundgesetze 2 (Staatsverwaltung) (Wien 1815) 189—373 (über die Kriegsmacht des türkischen Heeres). 30) Fälschlicherweise spricht der Kundschafter von den „Janitscharen“ (MEA RTA 6a/2 fol. 90r), von denen jeder bis zu zehn Pferden hätte, für deren Futter er aufkom- men müsse. Bekanntlich waren die Janitscharen jedoch Fußtruppen, während die Si­pähi und die Silihdär beritten waren: vgl. u. a. Menzel Das Korps 49f.

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