Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 34. (1981)

AULINGER, Rosemarie: Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532. Meldungen an den Reichstag

Kundschafterberichte über den Aufmarsch der Türken am Balkan 1532 149 Obwohl Süleyman mit seinem Heer am 16. Oktober 1529* 8) die Belagerung Wiens abbrechen und seinen Rückzug hatte antreten müssen und Ferdinand im Gegenstoß Erfolge in Ungarn hatte verbuchen können9), war dennoch die Gefahr nur für kurze Zeit gebannt. Schon wenige Monate später gab es wie­der Berichte aus der Türkei und vom Balkan, daß der „Erbfeind der Chri­stenheit“ zu einem erneuten Angriff rüste. Im Frühjahr 1530 waren Kund­schafterberichte aus Konstantinopel nach Deutschland gekommen, die sehr bestimmt von einem Feldzug der Türken sprachen10). Der von Juni bis No­vember 1530 in Augsburg tagende Reichstag bewilligte dem Kaiser aus die­sem Grund eine ansehnliche Reichshilfe, die in Mann und Material geleistet werden sollte11). Doch der Angriff zögerte sich hinaus; 1531 hörte man nur sehr wenig über türkische Rüstungen, da Süleyman dem ungarischen Waf­fenstillstand zugestimmt hatte12). Im Herbst 1531 wurden die bedrohlichen Stimmen wieder lauter13); zunächst schien jedoch die Hauptoffensive gegen sollte bis zum 9. Mai 1532 dauern, kam aber nicht zustande, da sich die Parteien nicht einigen konnten. Vgl. auch Ferdinand Ritter von Bucholtz Geschichte der Regie­rung Ferdinand des Ersten aus gedruckten und ungedruckten Quellen 4 (Wien 1833) 62-65, 540-542 und 544-546. Der Wortlaut der 1530/31 geschlossenen Verträge: Öster­reichs Staatsverträge. Fürstentum Siebenbürgen (1526-1690), bearb. v. Roderich Gooß (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 9, Wien 1911) 7-30, nn. 4-7; Turetschek Die Türkenpolitik 197ff. Einer weiteren Verlänge­rung des Waffenstillstandes stimmte der Sultan nicht mehr zu; er brach am 24. April 1532 von Istanbul in Richtung Österreich auf: vgl. Göllner Türkenfrage 102ff. 8) Walter Sturminger Bibliographie und Ikonographie der Türkenbelagerungen Wiens 1529 und 1683 (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 41, Wien 1955) 3-59 und 337-349; Walter Hummelberger Wiens erste Belagerung durch die Türken 1529 (Militärhistorische Schriftenreihe 33, Wien 1976) 30; Turetschek Die Türkenpolitik 110ff. 9) Ungarisch Altenburg (Mosonmagyaróvár), Gran (Esztergom), Erlau (Eger) und Kaschau (Kosiöe) wurden durch die Grafen Salm und Hardegg und Johann Katzianer erobert; nur Ofen hielt dem Ansturm der Österreicher stand: Fessler-Klein Ge­schichte 3 441. 10) U. a. Turetschek Die Türkenpolitik 165ff. 1J) Der Reichstag bewilligte dem Kaiser eine unbestimmte Anzahl von Reitern und Fußknechten; da die Türkengefahr im Jahre 1531 zunächst nicht mehr bestand, war man auch nicht daran gegangen, die Truppen zu mustern. Erst am Reichstag 1532 wurden wieder Beratungen über die Türkenhilfe - auf Grund der Verhandlungen von 1530 - aufgenommen: Wolfgang Steglich Die Reichstürkenhilfe in der Zeit Karls V. in Militärgeschichtliche Mitteilungen 1 (1972) 44ff. 12) Vgl. oben Anm. 7. Im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien Staatenabteilungen (= HHStA) Turcica 2 und Hungarica 20 finden sich diesbezügliche Berichte. Vgl. Jozip Z on tar Obvescevalna sluzba in diplomacija avstrijskih habsburzanov v boju proti Turkom v 16. stoletju (Slovenska Akademija znanosti in umetnosti. Razred zu zgodo- vinske in druzbene rede 18, Ljubljana 1973) 193: Der Diener Michael Bucinic’ (Buci- gnolos), Alegretti, berichtete aus Konstantinopel, man plane keinen Feldzug zu Lande (nach verschiedenen Daten aus Turcica 2). 13) U. a. HHStA Hungarica 19 fol. 55rv (1531 November 26): Wenn der Sultan Tri­bute von den unterworfenen Völkern verlange, stehe Krieg bevor. Man schaffe bereits Proviant und Munition nach Belgrad und besorge in Ägypten Holz für den Schiffbau.

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