Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 32. (1979)
WINTER, Otto Friedrich: In memoriam Wilhelm Kraus
488 Nachrufe lor diese aber bald wieder infolge des Todes des Fürsten Alfred Windisch- grätz. Aus einer am 26. Dezember 1927 mit Paula, geborener Del Binaco geschlossenen Ehe gingen zwei Söhne hervor, von denen einer in jungen Jahren 1947 starb; die Ehe war schon 1938 wieder geschieden worden. Am 16. April 1929 erfolgte endlich seine Anstellung am Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv als provisorischer Unterstaatsarchivar, am 1. Juli 1931 die Ernennung zum Beamten und am 1. Juli 1936 die Beförderung in die 6. Dienstklasse mit dem Titel Staatsarchivar II. Klasse. Damit war nicht nur die materielle Existenz - wenn auch in bescheidenem Rahmen — gesichert, sondern vor allem die Basis für eine erfolgreiche wissenschaftliche Tätigkeit an dem angesehensten Archiv der Republik Österreich. Über seine Einteilung als Bearbeiter des Referats Hofarchive, in dem sein Vorgänger kein geringerer als Otto Brunner war, und im Bibliotheksdienst hinaus wurde Kraus für Ordnungs-, Erschließungs- und Inventarisierungsarbeiten an zahlreichen, unzureichend erschlossenen oder erst eingelieferten Beständen, allein oder in Zusammenarbeit mit anderen Kollegen, eingesetzt. Hier wären aus der Abteilung Reichsarchive die Judicialia des Reichshofrates, Zettelkataloge zu den Antiqua und Denegata Antiqua und ein Verzeichnis zu den Reichsregisterbüchern Ferdinands I. zu nennen, aus der Allgemeinen Urkundenreihe ein Zettelkatalog zu den Urkunden des Görzer Archivs bis 1300. Im Referat Gesandtschafts- und Konsulatsarchive wirkte er an der Aufstellung und Verzeichnung der Teilbestände Athen, Berlin, Brüssel, Den Haag, Kopenhagen, Stockholm, Konstantinopel, Bangkok, Brussa, Peking, Santiago de Chile, Schanghai, Tientsin und Tokio mit. Von ihm stammt eine Ergänzung zum Zettelkatalog des Zeitungsausschnittarchivs des Pressedepartements des Ministeriums des Äußeren, aber auch die Fortführung des materienalphabetischen Bandkatalogs der Handbibliothek des Archivs, ferner ein Nummernbuch - anstelle des verlorenen Geschäftsbuches — zum Bestand Österreichischer Reichstag 1848—1851. Ihm zu verdanken ist weiter die Auflösung und provenienzgemäße Einteilung der Miscellanea des habsburg-lothringischen Familienarchivs und die Ordnung des Depots Nachlaß Heinrich Zimmermann. Besondere Bedeutung kommt jedoch den archivarischen Arbeiten innerhalb des ihm zugeteüten Referats Hofarchive zu, da sie die Voraussetzung für die Erfassung dieser Schriftgutbestände im Rahmen des in diesen Jahren erstehenden gedruckten Gesamtinventars aufgebaut auf der Geschichte des Archivs und seiner Bestände bildeten. Hier wären anzuführen ein Gesamtverzeichnis der Hofarchive, ein Aufstellungsverzeichnis des Bestandes Familienfondsgüterdirektion, Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten an der Sonderreihe des Hofzeremonielldepartements bzw. des Oberstkämmereramtes. Die Krönung dieser Tätigkeit ist die selbständige Bearbeitung der Abteilungen Hof archive und Generaldirektion der a. h. Familienfonde im 2. Band des Gesamtinventars des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs, die seine bedeutendste wissenschaftliche Leistung bleiben sollte. Angesichts dieser vielfältigen Aufgaben kann es nicht wunder nehmen, daß die Betreuung des im Haus-, Hof- und Staatsarchiv deponierten fürstlich Trauttmansdorff’sehen