Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 32. (1979)

WINTER, Otto Friedrich: In memoriam Wilhelm Kraus

Nachrufe 489 Zentral-Familienarchivs, die Kraus übernahm und jahrzehntelang beibehielt, nicht über Anfänge von Ordnungsarbeiten hinaus gedieh und daß der Plan der Abfassung einer Familiengeschichte nicht einmal in Anfängen verwirk­licht werden konnte. An anderen in den Dreißigerjahren vom Haus-, Hof- und Staatsarchiv herausgebrachten Publikationen - Österreich-Ungarns Au­ßenpolitik von der bosnischen Krise 1908 bis zum Kriegsausbruch 1914. Di­plomatische Aktenstücke des österreichisch-ungarischen Ministeriums des Äußern und Repertorium der diplomatischen Vertreter aller Länder, Band 1 — wirkte Kraus durch Bereitstellung von Quellenmaterial oder in redaktio­neller Tätigkeit mit. Die Eingliederung des Haus-, Hof- und Staatsarchivs in das deutsche Ar­chivwesen nach 1938 als Teil des „Reichsarchivs Wien“ brachte keine Ände­rung in seinem Aufgabenbereich. Er bearbeitete die Neuzugänge im Referat Hofarchive und den diesbezüglichen Nachtrag in Band 5 des Gesamtinven­tars (Registratur der Hofjagdverwaltung Laxenburg, Generalintendanz der Hoftheater, die Registraturen des Pensionsinstituts des k. k. Hofopemthea- ters, des Sekretariats der Kaiserin Elisabeth, der Generaldirektionen der a. h./kaiserlichen Privat- und Familienfonde, des Kriegsgeschädigtenfonds, des Familienversorgungsfonds des Hauses Habsburg-Lothringen und der habsburg-lothringischen Vermögensverwaltung sowie der k. u. k. Privat- und Familienfonds-Güterdirektion Wien und der Herrschaft Mannersdorf am Leithagebirge). Aber auch andere Archivkörper, die damals ins Haus-, Hof- und Staatsarchiv eingeliefert worden waren, wurden ihm zur Ordnung und Aufstellung anvertraut: Die Wiener Registratur des Großpriorates Böhmen und Österreich des Johanniter-(Malteser-)Ritterordens, die Registraturen des adeligen Sternkreuzordens, des herzoglich Savoyen’schen Damenstiftes, des adelig-weltlichen Damenstiftes Maria Schul in Brünn, ferner die von ihm und anderen über Auftrag des Archivamtes nach Wien gebrachten Archive aus Schloß Jaidhof bei Gföhl und der Herrschaft Walpersdorf in Niederöster­reich. Eine schwere, langwierige Erkrankung brachte es letzten Endes mit sich, daß Kraus auch im Zweiten Weltkrieg zum Militärdienst nicht herange­zogen wurde. Eine sich bietende berufliche Aufstiegsmöglichkeit entzog ihn trotzdem der gewohnten Wirkungsstätte: Im Juni 1942 wurde er zum provi­sorischen Leiter des Reichsarchivs Troppau im damaligen Sudetengau er­nannt. Über seine Tätigkeit dort liegen keine näheren Angaben vor. Es steht lediglich fest, daß er seit Anfang 1945 die beim Heranrücken der Front be­fohlenen Verlagerungsmaßnahmen in den böhmischen Raum durchführte. Dort erlebte er mit seiner Familie - seiner zweiten Gattin Irmtraud, gebore­ner Hrabetz, und der 1944 geborenen Tochter — das Ende des 2. Weltkrieges. Erst 1947 konnte er sich nach erfolgter Repatriierung nach Österreich zum Dienstantritt beim 1945 begründeten österreichischen Staatsarchiv melden. Am 20. September 1948 wurde er als provisorischer Staatsarchivar 2. Klasse aufgenommen und dem Finanz- und Hofkammerarchiv zur Dienstleistung zugewiesen, am 1. Juli 1949 zum Staatsarchivar 2. Klasse, am 28. September 1949 zum Staatsarchivar 1. Klasse (Dienstklasse VI) befördert. In diesem un­

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