Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas

Edith WOHLGEMUTH: Prinz Johannes von und zu Liechtenstein als letzter k. u. k. Marineattaché in Rom 1912—1915

Prinz Johannes von und zu Liechtenstein 375 Seine Herkunft aus einer Familie, die seit Jahrhunderten dem Kaiserhaus ge­treue Paladine zu stellen gewohnt war, hatten den Adel seiner Persönlichkeit geprägt und ihn mit der natürlichen Unbefangenheit innerer Kraft und Dis­ziplin ausgestattet, die ihn dazu befähigte, seinen Weg mutig und getrost - und ohne Berufung auf seinen glänzenden Namen — zu gehen9). Da es ihm vergönnt war, noch den Ausklang der Friedenszeit in seiner Funk­tion als Marineattaché zu erleben, vermochte er, weit über die Dienst- und Mußezeit vorzüglich bestimmenden fachlichen Interessen hinaus, sich gründ­lich mit den in Italien wirkenden politischen Stimmungen, Strömungen und Verhältnissen vertraut zu machen und als scharfer Beobachter Personen und Situationen zu beurteilen. So blieb ihm auch die Problematik des im Jahre seines Dienstantrittes 1912 zuletzt erneuerten Dreibundes nicht verborgen, die weniger den dritten Bündnisgenossen, Deutschland, als vielmehr die Partnerschaft der Donaumonarchie mit Italien betraf und bekanntlich so sehr belastete, daß sie schließlich im Brand des Weltkrieges zum Bruch führ­te10). Daß die Voraussetzungen der auf der Basis eines lautstarken Nationalismus vorgetragenen Wünsche des Halbinselstaates beispielsweise nach der „altra sponda“, der dalmatinischen Küste der Adria, unzutreffend waren, erkannte der aufmerksame Marineoffizier klarer sogar als seine vom Irredentismus reichlich irritierte Regierung. Denn es war eine Illusion zu meinen, die ehe­mals venezianisch beherrschten Gebiete Istriens und Dalmatiens wären nach der Jahrhundertwende noch von einer überwiegend italienischen Bevölke­rung bewohnt. Diese war sich, erinnerte sich Liechtenstein, in großer Mehr­zahl „durch die zunehmende Volksbildung und das allgemeine Wahlrecht ih­res Slavismus (meist sehr gegen die Absichten der österreichischen Admini­stration) bewußt geworden“, so daß sie zu 95% slawischer Nationalität war. Auch der Prozentsatz der in der k. u. k. Kriegsmarine dienenden italieni­„Novara“. Während der Matrosen-Revolte in den Bocche di Cattaro im Februar 1918 führte er nach eigenem Entschluß und in eigener Verantwortung sein Schiff aus dem Teufelskreis heraus: NA B/718 n. 1: Prinz Liechtenstein Die Matrosenmeuterei in der Bocche di Cattaro. Vgl. Richard D. Plaschka Cattaro-Prag. Revolte und Revolu­tion (Veröffentlichungen der Arbeitsgemeinschaß Ost 3, Graz 1963) vor allem 126ff. Bei Kriegsende hatte er die Interessen der Marine bei den Waffenstillstandsverhand­lungen zu vertreten: NA B/718 n. 3: Prinz Liechtenstein Der Waffenstillstand vom 3. November 1918, verfaßt im Jahre 1919. Vgl. Viktor Freiherr v. Seiller Villa Giusti 1918. 40 Jahre nach dem Abschluß des Waffenstillstandes mit Italien in Die Furche 1958 November 1, 8 und 15. Seiller war Prinz Liechtensteins Kollege in Rom als Mili- tárattaché vom 4. August 1914 bis 24. Mai 1915, damals Hauptmann des Generalstabs­korps. Welche Einstellung auch nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungari­schen Monarchie von ihm hochgehalten wurde, ist durch seine Ehrenpräsidentschaft des „Reichsbundes der Österreicher“ dokumentiert: vgl. Der Österreicher 8/1 von 1933 Jänner 6 und 12/3 von 1937 Jänner 22. 9) Max Schloß Prinz Johannes Liechtenstein. Ein österreichisches Seemannsleben in Der Österreicher 8/2 von 1933 Jänner 14. 10) Fritz Fellner Der Dreibund (Wien 1960) passim.

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