Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas

Gerhard RILL: Die Garzweiler-Mission 1603/4 und die Reichslehen in der Lunigiana

Die Garzweiler-Mission 1603/04 und die Reichslehen in der Lunigiana 23 — müsse es auch als verdienstvoll gewertet werden, wenn man die empörten Untertanen gegen die Tyrannei der Malaspina unterstütze59)! (3) Für die „verhuettung der Vasallen und underthanen verderbnus“ ist nach Überzeugung des Kommissars eine ständige Kontrolle durch einen in Italien residierenden Beamten unbedingte Voraussetzung60). Noch vor der Garzwei­ler-Mission hatte die Prager Regierung die Begründung dafür gesucht, daß den italienischen Reichslehen fast jegliche Widerstandskraft mangelte. In er­ster Linie machte man damals den Umstand dafür verantwortlich, daß der Kaiser bisher gar keine oder nur schlechte, für die eigene Tasche arbeitende locumentenentes in Italien eingesetzt habe; damit sind die Vikare gemeint, die gerade seit dem Ende des 16. Jahrhunderts allmählich von den Kommis­saren verdrängt wurden, wobei letztere allerdings im 17. Jahrhundert den Grad der Institutionalisierung und den damit verbundenen Funktionswandel der französischen Maitres des Requétes oder der preußischen Kommissare nur ansatzweise erreichten61). Wenn man weiters die Verschweigung der Le­hen — „zue entfliehung der beschwärden“ - und den damit verbundenen Aus­fall an Einnahmen, an dritter Stelle schließlich die Wahrscheinlichkeit, der vom Lehensherr zu gewährende Schutz werde mehr Geld verschlingen, als Einnahmen zu erwarten seien, anführte, so ergab sich daraus auch die Be­gründung für Punkt 1: Ob die Administratoren nun die traditionellen Reprä­sentanten des merum et mixtum imperium oder nur „dottorelli“ waren, - in beiden Fällen konnte das Äquivalent für erbrachte Leistungen nur vom Amtsträger selbst, aus eigenem Vermögen oder durch mehr oder weniger phantasievolle Manipulationen eingetrieben werden62). Der im zweiten und dritten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts entstehenden Institution der „Pieni­potenz“ war zwar die Aufgabe einer Restauration der Reichsrechte gestellt — was auch ständige Reibungen mit dem mailändischen Senat zur Folge hatte -, an erster Stelle stand jedoch auch jetzt die Absicht, größere finanzielle Einnahmen zu erschließen63). Den Anforderungen Garzweilers entsprach die Pienipotenz also nur in geringem Maße. (4) Um zwischen den italienischen Mächten Mailand, Toskana und Genua überhaupt existieren zu können, reicht für die Reichslehen die traditionelle 59) Branchi Lunigiana feudale 2 374. 60) Bericht Garzweilers, 1603 Oktober 12: PI 1 fol. 155-156; ferner Hofkammer an Geheime Räte, 1604 September 17: HKA RA 24 fol. 709. 61) Vgl. Gerhard Rill Reichsvikar und Kommissar. Zur Geschichte der Verwaltung Reichsitaliens im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit in Annali della Fondazione italiana per la storia amministrativa 2 (1965) 173-198; ferner Fritz Trautz Die Reichsgewalt in Italien im Spätmittelalter in Heidelberger Jahrbücher 7 (1963) 45-81, bes. 71 ff; über das preußische und das französische Kommissariat: Otto Hintze Der Commissarius und seine Bedeutung in der allgemeinen Verwaltungsgeschichte in dsbe Staat und Verfassung (Göttingen 21962) 242-274 und Adriana Petracchi Maitres des Requétes in Annali etc. 1 (1964) 190-241. Über einen Versuch des Mailänder Senates 1663, auf das Vikariat der Visconti zurückzugreifen, vgl. Magni II tramonto 181 f. 62) Rill Reichsvikar 196f. 63) Pugliese Le prime streite 115ff; Magni II tramonto 181 f.

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