Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas
Gerhard RILL: Die Garzweiler-Mission 1603/4 und die Reichslehen in der Lunigiana
Die Garzweiler-Mission 1603/04 und die Reichslehen in der Lunigiana 19 auch dessen erwähnte emphatische Stimmung ausgelöst hatte, ruhte die Angelegenheit mehrere Wochen. Ende September berichtet Garzweiler, Fuentes werde aus drei verschiedenen Gründen an der Durchführung seines Versprechens, die beiden Malasp.ina freizulassen und in ihren Markgrafschaften zu restituieren, behindert: erstens müsse er noch eine königliche Resolution ab- warten; zweitens sei Markgraf Francesco in Tresana so verhaßt, daß bei seiner Rückkehr ein Aufruhr ausbrechen würde —, was Garzweiler zu der naiven Vorstellung verleitete, Fuentes und dessen Minister, „so diß gam gesponnen“, seien jetzt ratlos und fürchteten den weiteren Verlauf der Dinge; drittens sei Giulio jCesare zwar aus der Festung freigelassen worden, müsse jedoch auf Betreiben seiner Feinde weiterhin unter Hausarrest gestellt werden. Fuentes bekannte sich zwar „mit darraichung seiner handt“ zu seinem früheren Versprechen, verschanzte sich jedoch zugleich hinter der angeblichen Böswilligkeit seiner Minister, die ihn in Bedrängnis bringen wollten. Zur Zeit dieser Gespräche jedoch, so erfuhr auch Garzweiler, begannen die Spanier, die beiden Markgrafen mit Drohungen und Versprechungen zu bearbeiten, sie mögen sich mit ihren Lehen vom König von Spanien investieren lassen39). Einen Monat später, als der Kommissar längst nach Genua weitergereist war, hatte Fuentes mit der Restitution noch nicht einmal begonnen, es drohten vielmehr die spanisch-toskanischen Gegensätze in der Lunigiana in offenen Krieg auszuarten40). Allmählich reifte in Garzweiler die Überzeugung, daß nur ein kaiserlicher Sondergesandter in Spanien in dieser Angelegenheit etwas ausrichten könne41). Nachdem er noch Anfang Dezember den Gouverneur brieflich an dessen Versprechungen erinnert hatte42), erhielt er einen Monat darauf die entmutigende Nachricht, der Marchese Francesco habe für eine monatliche Pension Tresana als Mailänder Lehen angenommen, während der standhaftere Giulio Cesare — ,,gleichwol mit ainer beschwerlichen und praejudicirlichen caution“ - freigelassen worden sei; daß Garzweiler sowohl dem Markgrafen Francesco als auch Fuentes empört ins Gewissen redete, änderte nichts an diesem Ergebnis43). Im April 1604 hatte der Kommissar bereits einen gewissen Abstand zu diesen Mißerfolgen in der Lunigiana gewonnen; er mißbilligte die spanische Intervention jetzt vor allem deshalb, weil andernfalls ,aus diser provinz aufs wenigist 10.000 oder 12.000 fl. zu pressen gewest“ wären, und weil der Sieg des spanischen Hochmutes für den Kaiser „bey jederman schandt und spott“ erwecken würde44). Die weiteren Schicksale der beiden Lehen verliefen zunächst getrennt. Tresana blieb „spanisches“ Lehen, wurde 1651 zusammen mit anderen Reichslehen von Mailand eingezogen und 1660 an einen toskanischen Untertanen verkauft45). 39) Bericht Garzweilers, 1603 September 24: PI 1 fol. 144-147. 40) Bericht Garzweilers, 1603 Oktober 22: PI 1 fol. 157—159. 41) Bericht Garzweilers, 1603 November 5: PI 1 fol. 125rv. 42) Garzweüer an Fuentes, 1603 Dezember 9 Genua: PI 1 fol. 205rv (Kop.). 43) Bericht Garzweilers, 1604 Jänner 8, mit Beil, 4: PI 1 fol. 197—199, 200 rv. 44) Bericht Garzweilers, 1604 April 17: PI 1 fol. 262-263. 45) Staffetti Tresana 13ff. 2*