Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas
Gerhard RILL: Die Garzweiler-Mission 1603/4 und die Reichslehen in der Lunigiana
14 Gerhard Rill „wälischen fälligkeiten und gelthandlungen oder contributionen“ einliefen23), während vergleichsweise die Kreis- und Reichshilfen nördlich der Alpen 1593-1598 zusammen 8,300.000 fl.rh., die Zahlungen Spaniens und der italienischen Potentaten (besonders Ferraras und Parmas) in derselben Zeit ca. 1,300.000 fl.rh. betragen hatten; und auch in den späteren Kriegsjahren belief sich die jährliche Kreishilfe auf durchschnittlich eine Million Gulden 24). Das finanzielle Resultat bildet jedoch nur einen — wenngleich den für die Auftraggeber ausschlaggebenden — Aspekt, unter dem die Garzweiler-Mission gewertet werden kann. Binnen kurzem muß der Kommissar erkannt haben, daß er auftragsgemäß Geld von Leuten einfordem sollte, die im entscheidenden Moment weder den Schutz noch sonstige Vorteile von Seite des Kaisers genossen. Die Berichte Garzweilers zeigen, daß er diesem Punkt in zunehmendem Maß seine Aufmerksamkeit zuwandte. Neben den zu dieser Zeit bereits heftig diskutierten Differenzen um die Reichslehen Finale, Piombino und Sassuolo25) waren es vor allem zwei bisher kaum beachtete Streitfälle, mit denen Garzweiler gleich nach seinem ersten Eintreffen in Mailand konfrontiert wurde. Es handelte sich um die Lehen Tresana und Madrignano, beide in den Händen der Familie Malaspina und beide in der Lunigiana gelegen. In der Literatur wird die Tradition kaiserlicher Investituren bis auf Karl den Großen zurückverfolgt, 938 wird ein comitatus urkundlich genannt, der Name Malaspina taucht im 12. Jahrhundert erstmalig auf. Um 1220, nach endgültiger Festsetzung in der Lunigiana, teilt sich die Familie in zwei Linien („Spino secco“ und „Spino fiorito“), deren geographische Trennung die Magra bildet. 1266 kommt es zu einer neuerlichen Teilung innerhalb des Zweiges „Spino secco“ in vier Linien, wobei die von Villafranca Tresana erhält, während den Malaspina von Giovagallo Madrignano zugesprochen wird26). Seit der Herzog von Mailand mit dem König von Spanien identisch war, gab es Unstimmigkeiten, seit den Siebzigerjahren des 16. Jahrhunderts immer schärfer werdende Gegensätze hinsichtlich des Rechtscharakters der Mala- spina-Lehen. Anläßlich eines an sich belanglosen Streites zwischen den Markgrafen und dem spanischen Gouverneur von Pontremoli 1574/75 klagen die Malaspina bereits über die Unterstützung aufrührerischer Untertanen durch die Spanier, während der Gouverneur alle Vasallen der Lunigiana als Lehensmänner des Herzogs von Mailand bezeichnet, die vor den Senat von 23) Ebenda fol. 748. 24) Müller Die Verdienste 268; dsbe Geizkofler 34f. 25) Vgl. Pugliese Le prime streite 65ff; Mario Gasparini La Spagna e il Finale dal 1567 al 1617 (Collana storico-archeologica della Liguria occidentale 14, Bordighera 1958) 28ff. 26) Angelo Aromando Origine déllé fámig lie Cybo e Malaspina di Massa fino ad Alberico 1 ed eyoluzione storica delle loro armi in Cittá e storia. Mostra storica docu- mentata (Massa 1977) 93-119 mit älterer Literatur.