Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 31. (1978) - Festschrift für Richard Blaas

Gerhard RILL: Die Garzweiler-Mission 1603/4 und die Reichslehen in der Lunigiana

Die Garzweiler-Mission 1603/04 und die Reichslehen in der Lunigiana 15 Mailand zitiert werden können und gegen die im Falle des Ungehorsams „vis et arma“ angewandt werden müßten27). Etwa zehn Jahre später beschwert sich der spanische Gesandte in Prag, Guillén de San Clemente, über den Markgrafen Ottavio, den ,nicht einmal Jupiters Blitze, geschweige Ermah­nungen von seinen Verbrechen und Grausamkeiten abschrecken könnten“, und Anfang der Neunziger]ahre gesellt sich zu den bisherigen Anklagepunk­ten — Totschlag, Raub und andere Verbrechen — noch der der Falschmünzerei hinzu28). Besonders unübersichtlich, zugleich typisch für die Zustände in den kleinen italienischen Reichslehen, sind die Vorfälle in Madrignano29): Seit 1446 genossen die Untertanen von Madrignano, um die Mitte des 16. Jahrhunderts etwa 140 Familien, gewisse Vorrechte, da sie den Malaspina zur Restitution ihrer Herrschaft gegenüber den Fieschi verholten hatten. Nach dem Tod des Markgrafen Stefano, dem von Maximilian II. und Ru­dolf II. die Reichsunmittelbarkeit und die Primogeniturerbfolge zugesprochen bzw. bestätigt worden waren, treten Gegensätze zwischen dem Erben, dem wegen Unterdrückung der Untertanen und wegen lasterhaften Lebenswan­dels angefeindeten Bonifacio, und der Bevölkerung immer stärker zu Tage. In der Nacht des 5. Juni 1596 wird Bonifacio ermordet, und auch nach seinem Tod nimmt die Empörung, deren Ziele die Vertreibung des Hauses Malaspina und der Anschluß an Genua sind, ihren Fortgang. Rudolf II. setzt ein Kon­sortium von Tutoren für den minderjährigen Stefano, Sohn Bonifacios, ein, doch fehlen jenem die Mittel für die Sicherung des Lehens, — obwohl dafür eine Besatzung von vier Mann (Kosten: 150 fl.rh. jährlich!) genügt hätte. Da gegen eine Veräußerung Madrignanos sowohl der Kaiser als Lehensherr als auch die übrigen Malaspina Einspruch erheben, kann der entschlossen auf­tretende Bruder des Ermordeten, Giulio Cesare, schnell an Terrain gewinnen, obwohl er zunächst noch durch die Primogeniturerbfolge von der Herrschaft ausgeschlossen ist. Die Unfähigkeit des Kuratoriums, das weiterhin für den Verkauf der Markgrafschaft an Genua eintritt, und die drohende Haltung der Untertanen veranlassen den Kaiser, neue Tutoren einzusetzen. Giulio Cesare, der sich indessen um die Festnahme von zwei Bonifacio-Mördem — sie tau­chen unvermutet am kaiserlichen Hof in Prag auf - bemüht hat, erreicht schließlich im Juli 1600 die Aussetzung der Primogenitur sowie die effektive Herrschaft samt der Hälfte der Einkünfte bis zur Großjährigkeit Stefanos, der knapp ein Jahr später in Genua tödlich verunglückt. Giulio Cesare, der in mantuanischen Diensten am Türkenkrieg in Kroatien teilgenommen hat, zwingt nun einen weiteren Bruder, den letzten verbliebenen Konkurrenten, 27) HHStA Reichshofrat, Judicialia latinae expeditionis (= Jud. lat.) 337/16. 2S) Pontremoli contra Ottavio Malaspina, 1583/84: ebenda 411/11; Rudolf II. an Dr. Tirante Bongiovanni, 1592 Mai 29, betr. Streitigkeiten und Frevel der Malaspina: ebenda 337/18. Vgl. Luigi Staffetti Tresana e l’ultimo de’ suoi marchesi Malaspina in Giomale storico e letterario della Liguria 4 (1903, Neudruck Brescia 1955) 8f. 29) Für das Folgende Eugenio Branchi Storia della Lunigiana feudale 1 (Pistoia 1897) 528-584; dazu Jud. lat. 334/1-2.

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