Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)

Rezensionen

Rezensionen 487 holung bestimmter Redewendungen und Phrasen gewichtige Anhaltspunk­te (vgl. S. 15). Allerdings können die übereinstimmenden Redewendun­gen auch anders interpretiert werden: Von den S. 14 Anm. 31 auf gezähl­ten Beispielen fällt der terminus technicus „presencium exhibitor“ als Beleg ganz aus; bei den Briefen 15 und 42 fungiert Kadolt von Wehing als Aussteller, wodurch eine beiden Briefen gemeinsame, übrigens in dem gleichfalls von Kadolt ausgestellten Brief 27 nochmals begegnende Phrase zwanglos erklärt wird; die Redewendung „nec amoris“ usw., die neben Brief 20 auch in Brief 51 Vorkommen soll, konnte ich weder in Brief 51 noch sonst in der Sammlung wiederfinden (ähnlich beginnende, im übrigen aber ganz verschiedene Phrasen finden sich etwa in Brief 40 und 52); bei der noch verbleibenden Wendung „ne facilitas“ usw. könnte man allenfalls an gleichgeartete Ausbildung, Schulverwandtschaft, Stilmuster o. ä. denken. Eine „Ringkomposition“, wie sie etwa für die von Leopold Auer bearbeitete Briefsammlung des cvp. 2239 (Eine öster­reichische Briefsammlung aus der Zeit Friedrichs des Streitbaren in MIÖG 77 [1969] 43—77) charakteristisch ist, liegt nicht vor. Zwei Drittel der Briefe weisen, wie W. S. 17 hervorhebt, eine Salutatio auf. Zudem lassen sich die in der Sammlung vorkommenden Personen mit verschwin­denden Ausnahmen „bis zum miles herab identifizieren“ (S. 17; über den mit größter Akribie und staunenswerter Quellenkenntnis eruierten Personenkreis vgl. S. 21—32). H. M. Schaller, ein vorzüglicher Kenner der Problematik, betonte gerade im Hinblick auf das Vorhandensein auch völlig inhaltsarmer und nichtssagender Originalbriefe des 13. Jahrhunderts neuerlich, man solle mit dem Ausdruck „Fiktion“ zurückhaltend sein (Brie­fe und Brief Sammlungen als Editionsaufgabe 2: Die Zeit nach 1100 in Mit- telalterliche Textüberlieferungen und ihre kritische Aufarbeitung [1976] 68 f). Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß das Gros der Briefe, die zum überwiegenden Teil in die Zeit von 1262—1264 gesetzt werden konn­ten („vor August 1261“ datiert W. die Briefe 15 f, „vor Herbst 1261 (?)“ die Briefe 19 f und 35—38), den Niederschlag der Korrespondenz Kadolts aus dieser Zeit darstellt. Es steht auch nichts im Wege, Siegfried von Laa als Verfasser der insgesamt 29 Briefe Kadolts (inklusive Brief 47, einer Variante zu Brief 46) anzusehen. Man könnte sich vorstellen, daß der als Notar Kadolts fungierende Magister aus den Konzepten der von ihm verfaßten Schreiben und aus den diversen Gegenbriefen einen Unter­richtsbehelf zusammenstellte, den er durch die Aufnahme von Schüler­briefen, allenfalls auch durch den einen oder anderen ad hoc hergestell­ten Musterbrief (als solchen muß man jedenfalls Brief 10, eine Variante zu Brief 9, ansehen) ergänzte. Wie dem auch sei — eine freie Erfindung der in den Briefen behandelten Daten und Fakten stand von vorneherein nicht zur Debatte (vgl. dazu S. 17); der Quellen wert der Laaer Brief Sammlung ist dementsprechend in jedem Falle unbestritten hoch zu veranschlagen. Allerdings bedurfte es einer kundigen Hand, diese Schätze überhaupt zu sehen und zu heben. Der Editor, dessen aufsehenerregenden Arbeiten zur mittelalterlichen Ver- fassungs- und Verwaltungsgeschichte Nieder- und Oberösterreichs bekannt sind — es sei nur an die Lösung des Tres-Comitatus-Problems und die damit verbundene Beseitigung der „Grafschaftstheorie“ (MIÖG 84 [1976]

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