Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Geschichte der Arbeiterbewegung
Sammelreferate 469 Referaten im Druck vorliegt17). Diesmal steht die Frage der nationalen und internationalen Orientierung der Arbeiterbewegung unter spezieller Berücksichtigung von Nord- und Mitteleuropa zur Diskussion. Dabei wird vor allem die Ideologie des nordischen Sozialismus besonders untersucht, etwa der Internationalismus in Dänemark (Federspiel). Über die große Stockholmer Konferenz vom Sommer 1917 handelte Agnes Bläusdorf. Besonderes Interesse galt natürlich der Schleswig-Frage und deren Behandlung durch die deutschen und dänischen Sozialisten. Darüber gab es für die Zeit von 1900 bis nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere Referate. Aus der in früheren Berichten schon mehrfach erwähnten Schriftenreihe des Karl-Marx-Hauses in Trier sind weitere Hefte, zunächst zwei bemerkenswerte Editionen, anzuzeigen. Franz Josef Schuh präsentiert uns eines der seltenen Zeugnisse einer radikalen demokratischen Vergangenheit in Österreich18): Er legt lateinisch mit deutscher Übersetzung die Schrift Homo hominibus von Franz Hebenstreit vor, die zum Teil schon durch Alfred Körners Edition bekannt ist. In der engagierten und ausgezeichneten Einleitung setzt sich der Hg. sehr kritisch mit Silagis Untersuchung über die Wiener Jakobiner auseinander und trägt die wenigen bekannten Fakten zur Biographie Hebenstreits, der aus Prag stammte, zusammen. Auf dem historischen Hintergrund werden die philosophischen Gedanken der Schrift analysiert und gewürdigt. Das Werk bestätigt genau die Aussagen Hebenstreits in dessen Prozeß und klassifiziert das Verfahren gegen ihn als politischen Justizmord. Einen unbekannten dramatischen Entwurf über Cola di Rienzi aus der Feder von Friedrich Engels veröffentlicht Michael Knieriem, der Leiter des Friedrich-Engels-Hauses in Wuppertal1B). Dieses literarische Kuriosum aus der Frühzeit dieses Klassikers auf anderem Gebiet sollte offenbar als Libretto für eine Oper und nicht als eigenes Sprechstück dienen. Seit dem Roman von G. Bulwer-Lytton war der Rienzi-Stoff allgemein beliebt und hat schließlich Richard Wagner 1842 zu seiner Oper inspiriert. Engels’ Werk wurde im Nachlaß Adolf Schults entdeckt, stammt aus den Jahren 1840 oder 1841 und trägt alle Merkmale der Dichtungen des jungen Engels an sich, wie wir sie bereits aus den Jahren 1839 bis 1843 kennen, als er zum Militärdienst in Berlin weilte und unter dem Decknamen „Oswald“ dichtete und publizierte. Manches wirkt heute unfreiwillig komisch, doch sind in dem Werk auch deutliche demokratische Tendenzen wie auch soziale Aspekte zu erkennen, wie die Stellung der 17) Arbeiterbewegung in Nord- und Mitteleuropa zwischen nationaler Orientierung und Internationalismus. Referate einer deutsch-dänischen 'Wissenschaf t- lerkonferenz in der Akademie Sankelmark im November 1975 (Schriftenreihe der Akademie Sankelmark, Neue Folge Heft 30/31). Flensburg 1976. 116 S. 18) Franz Josef Schuh (Hg.) Franz Hebenstreit 1747—1795. Mensch unter Menschen. Seine Schriften ediert, übersetzt und kommentiert nebst einer Einleitung (Schriften aus dem Karl-Marx-Haus Heft 11). Eigenverlag, Trier 1974. L, 80 S. i*) Michael K n i e r i e m (Hg.) Friedrich Engels: Cola di Rienzi. Ein unbekannter dramatischer Entwurf (ebenda Heft 13). Eigenverlag, Trier 1974. XVII, 77 S.