Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 30. (1977)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Geschichte der Arbeiterbewegung
470 Literaturberichte Frau usw. Das Heft enthält auch einige illustrative Dokumente aus Schults Korrespondenz sowie dessen Gedicht auf Friedrich Engels. Die faksimilierte Wiedergabe des Engelschen Werkchens zeigt die für ihn typische Schreibweise mit viel Skizzen und Gekritzel im Text. In einem weiteren Heft der Reihe befaßt sich Ernst H a n i s c h mit Karl Marx und der österreichischen Geheimpolizei20). Der Vf. untersucht diese Frage, die immer wieder zu phantastischen Spekulationen Anlaß gibt, anhand der Quellen des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs, wobei er auch näher auf das Spitzelwesen im Vormärz und im Neoabsolutismus eingeht. Wichtig für Marx ist dabei die Rolle, die der Literat Ebner als Spitzel und Zuträger der Nachrichten über Marx an die Wiener Geheimpolizei gespielt hat. Auch die Rolle Freiligraths in den schwer durchschaubaren Konnexen wird durchleuchtet. Die Ergebnisse der Arbeit sind, soweit sie Marx betreffen, nicht neu. Eine Verbindung zwischen ihm und der österreichischen Geheimpolizei hat nicht bestanden. Der Referent ist aufgrund einer viel schmäleren Quellenbasis mit dem Beitrag Dokumente über die Londoner Emigration von Karl Marx in MÖStA 9 (1956) 263— 276, auf den sich der Vf. verschiedentlich bezieht, zum gleichen Resultat gelangt. Die Internationale Bibliothek des Dietz-Verlages, die auf eine lange Tradition zurückblicken kann, ist seit dem Zweiten Weltkrieg, besonders aber in den letzten Jahren wieder aktiv, wobei sich Neuauflagen und Neuerscheinungen die Waage halten. Zu den ersteren gehören die heute schon klassischen Studien Georg Plechanows zur Geschichte des Materialismus 2I), die zum ersten Mal 1896 erschienen waren. Der geglückte Versuch, die Entwicklung der materialistischen Philosophie gemeinverständlich darzustellen, geht von Holbach und Helvetius als Vertretern des französischen Materialismus des 18. Jahrhunderts aus und von daher zu Marx. Hauptgegenstand sind dessen Auseinandersetzungen mit Lange. Es ergeben sich auch Beziehungen zur russischen geistigen Entwicklung des 19. Jahrhunderts. Plechanow behandelt Marx keineswegs unkritisch, und schon hier zeigten sich vor der Jahrhundertwende die grundlegenden Gegensätze zu Lenin. Damit enthält die Studie auch aktuelle Bezüge zur neueren Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung. Ausschließlich mit Karl Marx befaßt sich die Gemeinschaftsarbeit von B. Nicolaevsky und O. Maenchen-Helfen, die nach 1963 jetzt wieder in derselben Reihe in zweiter Auflage unverändert erschienen ist22). Das Buch wurde 1935/36 geschrieben und erschien infolge der damaligen politischen Zeitumstände 1937 und die folgenden Jahre zu20) Ernst H a n i s c h Karl Marx und die Berichte der österreichischen Geheimpolizei (ebenda Heft 16). Eigenverlag, Trier 1976. 30 S. 21) Georg Plechanow Beiträge zur Geschichte des Materialismus. Holbach—Helvetius—Marx (Internationale Bibliothek 29). Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH, Berlin — Bad Godesberg (Nachdruck der 1921 erschienen 3. Auflage) 1975. VIII, 236 S. 22) B. Nicolaevsky —• O. Maenchen-Helfen Karl Marx. Eine Biographie (ebenda 86). Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH, Berlin — Bonn — Bad Godesberg 21975. XII, 419 S.